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Zinserhöhung: 

EZB will Rekord-Inflation in den Griff bekommen

30. Jun 2008 17:31
Ölplattform von BP
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Hohe Öl- und Nahrungsmittelpreise treiben die Teuerung in der Eurozone auf ein neues Rekordniveau. Die EU-Kommission warnt davor, deshalb die Löhne deutlich anzuheben. Erst einmal wird wohl am Donnerstag etwas anderes erhöht.

Dem Euroraum steht am Donnerstag die erste Zinserhöhung seit einem Jahr bevor. Ökonomen erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Sitzung in dieser Woche den Leitzins um 0,25 Punkte auf 4,25 Prozent anhebt. Zuletzt war der Zins im Juni 2007 erhöht worden. Hintergrund ist die hohe Inflation in der Eurozone. Der Preisauftrieb hatte im Juni einen Wert von 4,0 Prozent erreicht, wie die Statistikbehörde Eurostat am Montag in Luxemburg bekannt gab.

Die nun erreichte Rate ist die höchste seit Einführung des Euro am 1. Januar 1999. Ökonomen hatten nach dem bisherigen Rekord von 3,7 Prozent im Mai jetzt mit 3,9 Prozent gerechnet. Aus EZB-Sicht ist Preisstabilität im Euroraum bei einer Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent gewährleistet. Die tatsächlich gemessene Inflation ist somit gut doppelt so stark wie von den Währungshütern angestrebt.

Höhere Zinsen helfen im Kampf gegen die Inflation, weil Kredite teurer werden – auch wenn das zugleich die Wirtschaft bremsen könnte. Wegen möglicher negativer Auswirkungen auf die Konjunktur äußerte unter anderen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück Vorbehalte gegen eine Zinserhöhung. Bei der letzten EZB-Sitzung Anfang Juni hatte Notenbankpräsident Jean-Claude Trichet mit ungewöhnlich deutlichen Worten einen solchen Schritt signalisiert. «Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Rat die Zinsen beim nächsten Treffen im Juli um einen kleinen Betrag anheben wird», sagte Trichet. «Es ist nicht sicher, aber es ist möglich.»

Inflation wird hoch bleiben

Trotz des neuerlichen Preisschubs hat die Inflation nach Einschätzung von Ökonomen ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Unicredit-Ökonomen rechnen erst gegen Jahresende damit, dass die hohe Teuerung im Euroraum wieder zurückgeht. «Ein moderater Rückgang dürfte nicht vor November einsetzen», heißt es in einer Studie der Bank. Angesichts dieses Ausblicks dürfte die EZB weiter alarmiert bleiben. Allerdings seien weitere Zinsanhebungen nach dem an diesem Donnerstag erwarteten Schritt wohl nicht nötig. So sollte sich die Wachstumsdynamik im Währungsraum deutlich abschwächen und mithin die Inflation drücken.

Aus Sicht der Commerzbank wird die ungebremste Rekordjagd der Rohölpreise die Teuerung in den kommenden Monaten weiter steigen lassen. «Dies dürfte den EZB-Zinserhöhungsspekulationen am Markt weiter Nahrung geben», heißt es in einer Studie. Seit Januar ist der Ölpreis um rund 40 Dollar gestiegen, am Montag übersprang er erstmals die Marke von 143 Dollar pro Barrel.

Kommission warnt vor Lohn-Preis-Spirale

Die Commerzbank rechnet nach einer Zinserhöhung an diesem Donnerstag mit einem weiteren Zinsschritt nach oben im September auf dann 4,50 Prozent. Damit ist das Bankhaus unter den Ökonomen noch in der Minderheit. In Deutschland, der größten Volkswirtschaft des gemeinsamen Währungsgebiets, hatte die Inflation im Juni 3,3 Prozent erreicht. Das ist der höchste Wert seit fast 15 Jahren.

Eine Sprecherin von EU-Währungskommissar Joaquín Almunia sagte in Brüssel, das Teuerungsniveau sei «unbequem für das Eurogebiet und für den Rest Europas». Sie warnte davor, die Inflation könnte zu hohen Lohnsteigerungen in den Mitgliedsländern führen - es drohe dabei eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale. Es wäre falsch, auf die steigenden Lebenshaltungskosten mit erheblichen Lohnsteigerungen zu reagieren. (nz/dpa-AFX/AP)

 
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