Neue Unternehmensform :
Billig-GmbH für einen Euro
26.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
In Deutschland gibt es rund eine Million Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH). Die Gesellschafter haften nur mit ihrem eingesetzten Kapital. Die neue Unternehmergesellschaft, auch Mini-GmbH genannt, setzte vor allem der rechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Jürgen Gehb (CDU), durch. Die Mini-GmbH komme vor allem für kleine Firmen infrage.
Gehb sagte, in der Fachwelt werde von einer «kleinen Revolution» gesprochen. Für eine Ein-Mann-Gesellschaft fallen Gebühren von 20 Euro an. Dazu kommen noch 100 Euro für die Eintragung ins Registergericht. Bei einer Standard-GmbH wird eine leicht verständliche Mustersatzung eingeführt. Mit einem «Gründungsset» kann künftig eine GmbH theoretisch in einem Tag gegründet werden.
FDP und Linke stimmten gegen das Gesetz, dem die Länder im Bundesrat noch zustimmen müssen. Die Liberalen sehen in der Reform keinen großen Wurf. Die neue Mini-GmbH werde besonders anfällig für eine Insolvenz sein, sagte die FDP-Expertin Mechthild Dyckmans. Die Linke kritisierte, mit dem Gesetz werde dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) bemängelte fehlenden Mut der Koalition. «Aus Sicht der Unternehmen ist besonders enttäuschend, dass die kleine Berufsgruppe der Notare sich zulasten der Gesamtwirtschaft ihre Privilegien bewahren konnte. Das belastet Gründer und bestehende GmbHs gleichermaßen», sagte BDI-Topmanager Werner Schnappauf.
Zugleich soll mit dem «Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen» (MoMiG) Insolvenzbetrügern, die Gläubigern eine ausgeplünderte GmbH hinterlassen, das Handwerk erschwert werden. Taucht ein Geschäftsführer unter, sind künftig auch die Gesellschafter verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen. Statt Briefkastenadressen im Ausland muss im Handelsregister eine überprüfbare Geschäftsanschrift in Deutschland eingetragen werden, um Mahnungen und Klagen zustellen zu können. (dpa)

