Netzeitung Logo

 
DruckenVersenden
 

Warnstreik vor Tarifgesprächen: 

Metaller wollen nicht arbeiten bis zum Umfallen

17. Jun 2008 17:10
Auch Auszubildende streikten mit
Bild vergrößern
Im Streit um eine neue Altersteilzeit zeigt sich die IG Metall kämpferisch. Gewerkschaftschef Huber drohte mit massiven Protesten, sollten die Arbeitgeber kein verbessertes Angebot vorlegen. Dazu gab es bereits eine Kostprobe.

Mit massiven Warnstreiks hat die IG Metall vor der fünften Runde der Tarifgespräche über die Altersteilzeit Macht demonstriert. In Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und im Bezirk Küste, sowie in Niedersachsen und Berlin legten am Dienstag rund 45.000 Beschäftigte kurzfristig die Arbeit nieder, wie eine Gewerkschaftssprecherin in Frankfurt am Main berichtete.

Mitarbeiter von Daimler und Bosch waren bundesweit an allen Standorten zu Protesten aufgerufen. Gewerkschaftschef Berthold Huber drohte mit einer Ausweitung der Proteste. Die Gespräche im Pilotbezirk Baden-Württemberg gehen am Mittwoch weiter. Seit Ende der Friedenspflicht beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben über 200.000 Metaller an den Aktionen.

«Wir wollen einen anständigen Tarifvertrag»

Huber sagte bei einer Kundgebung im baden-württembergischen Crailsheim: «Ich kann den Arbeitgebern garantieren, es werden noch mehr». Er forderte den regionalen Arbeitgeberverband Südwestmetall zur Vorlage eines verbesserten Angebots auf. «Wir wollen einen anständigen Tarifvertrag mit verbindlichen Regeln und mit einer anständigen materiellen Ausstattung«, sagte der Gewerkschaftschef und demonstrierte Selbstbewusstsein: «Wir wissen, wer mit seiner tagtäglichen Arbeit in Werkshallen und Büros den Umsatz steigert und den Gewinn vermehrt.»

Die Tarifpartner treffen sich am Mittwoch zu ihrer fünften Verhandlungsrunde in Sindelfingen. Der Metallbezirk Baden-Württemberg verhandelt stellvertretend für alle Tarifbezirke. Die IG Metall will weiterhin allen 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche ermöglichen, ab einem bestimmten Alter in die Altersteilzeit zu gehen. Der Verband Südwestmetall will den Anspruch auf Altersteilzeit dagegen auf besonders belastete Arbeitnehmergruppen beschränken. Anlass für die Verhandlungen ist das Auslaufen der staatlichen Förderung für die Altersteilzeit Ende 2009.

Arbeitgeberverband lehnt SPD-Vorschlag ab

Der Chef des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, lehnte im Bayerischen Rundfunk die Vorschläge der SPD zu einer Reform der Altersteilzeitregelungen ab: «Die Schulabgängerzahlen werden heruntergehen. Die Arbeitsmarktsituation hat sich glücklicherweise radikal verändert, unsere Arbeitslosigkeit ist um fast zwei Millionen in drei Jahren zurückgegangen.»

Anstatt Ältere aus dem Arbeitsleben zu entfernen, sei es Aufgabe der Betriebe, die Älteren mit ihren Erfahrungen in den Unternehmen zu halten. «Ältere Arbeitnehmer sind hinsichtlich körperlicher Belastbarkeit eingeschränkter, dem muss man Rechnung tragen», räumte Kannegiesser ein.

Arbeitnehmerflügel der CSU unterstützt Sozialdemokraten

Die Arbeitgeber wollen den Anspruch auf Altersteilzeit stark einschränken und ihn nur noch körperlich stark belasteten Arbeitnehmern zubilligen. Die SPD bekam im Streit mit der Union über ihr Konzept zur Verlängerung der Altersteilzeit aber auch Unterstützung aus dem Arbeitnehmerflügel der CSU. Der Vizechef der CSU-Arbeitnehmervertretung, Konrad Kobler, forderte in der «Süddeutschen Zeitung» eine Weiterentwicklung der Altersteilzeit. Ansonsten drohe über die Rente mit 67 eine «zugespitzt gesagt hinterfotzige Rentenkürzung», sagte Kobler.

Er verstehe nicht, dass die Union eine Verlängerung der Altersteilzeit-Förderung so konsequent ablehne. «Es muss doch möglich sein, eine Koalitionsvereinbarung zu ändern», sagte Kober. Das passiere schließlich nicht zum ersten Mal. Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer (CDU), kritisierte hingegen die SPD-Pläne. Für eine Verlängerung über 2009 hinaus bestehe keine Notwendigkeit, sagte er im Deutschlandradio Kultur. (AP/dpa)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
 
Wirtschaftssysteme rund um den Globus: 
Die Varianten des Kapitalismus
Erwartungen an den Weltfinanzgipfel: 
Große Runde, kleiner gemeinsamer Nenner
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Immobiliensuche
Immobilien
immonet
Aus anderen Ressorts

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.