Teures Öl: 

netzeitung.deÖlkonzerne unterschätzten steigenden Bedarf

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Ölförderung im Irak: Menge nach wie vor beschränkt (NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ölförderung im Irak: Menge nach wie vor beschränkt
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

«Wir haben den enormen Anstieg der Nachfrage unterschätzt»: Ölkonzerne geben sich eine Mitschuld für den kräftigen Preisanstieg. Der hat auch die US-Regierung inzwischen alarmiert.

Der drastische Ölpreis-Anstieg hat den weltgrößten Verbraucher USA alarmiert. Die Vereinigten Staaten wollen an einer von Saudi-Arabien einberufenen Krisensitzung teilnehmen, die nach Angaben eines Sprechers von US-Präsident George W. Bush für den 22. Juni geplant ist.

«Als einer der größten Produzenten und Abnehmer von Öl werden wir voraussichtlich teilnehmen», sagte Bush-Sprecher Tony Fratto in Berlin während des Deutschlandbesuchs des Präsidenten. Die saudische Regierung hatte am Montag zu der Konferenz aufgerufen, an der Förderer, Abnehmer und auch Ölkonzerne teilnehmen sollen. Dies war ein Signal zur Beruhigung der nervösen Märkte, nachdem am Freitag der Rohölpreis um acht Prozent auf den Rekordstand von mehr als 139 Dollar je Barrel emporgeschnellt war.

Konzerne unterschätzten Nachfrage
Unterdessen räumte die Mineralölbranche ein, den rasanten Anstieg des weltgweiten Bedarfs an Rohöl unterschätzt zu haben. «Wir haben einfach nicht vorhergesehen, wie schnell die Nachfrage steigen würde», sagte der Verwaltungsratschef von BP, Peter Sutherland, am Mittwoch in Brüssel. Daher habe die Branche auch nicht ausreichend in die Ausweitung ihrer Kapazitäten investiert. Sutherland bestritt, dass der aktuellen Höhenflug des Ölpreises auf Spekulationen am Markt zurückzuführen sei.

Der Ölpreis hielt sich am Mittwoch bei rund 133 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für Superbenzin an deutschen Tankstellen blieb auf dem Rekordniveau von rund 1,53 Euro je Liter, ein Liter Diesel kostete 1,51 Euro.
Lufthansa erhöht Treibstoffzuschläge
Lufthansa-Kunden müssen aufgrund des Ölpreisanstiegs künftig höhere Treibstoffzuschläge zahlen. Wie der deutsche Branchenprimus mitteilte, steigt für alle Flugtickets, die ab 16. Juni 2008 ausgestellt werden, der Zuschlag für innerdeutsche und grenzüberschreitende Flüge in Europa um 3 Euro auf 24 Euro pro Strecke. Der Zuschlag für Langstreckenflüge erhöht sich um 10 Euro auf 92 Euro.

Der Ölpreis hielt sich unterdessen auf hohem Niveau. US-Leichtöl kostete am Mittwoch im Handel der New Yorker Rohstoffbörse zeitweise 133,22 Dollar je Barrel und lag damit 1,91 Dollar über dem Schlusskurs vom Dienstag. Das für die Versorgung in Europa wichtige Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich in London um 1,90 Dollar und kostete zwischenzeitlich 132,92 Dollar je Barrel. Auslöser waren die jüngsten Daten zu den Lagerbeständen an Rohöl in den USA: Die Vorräte sanken um 4,6 Millionen Barrel auf 302,2 Millionen Barrel, wie das US-Energieministerium in Washington bekanntgab. Damit fiel der Rückgang deutlich höher als erwartet aus: Experten hatten nur mit einem Rückgang um 500.000 Barrel gerechnet.

Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris und die US-Energiebehörde senkten aufgrund der hohen Preise zwar ihre Vorhersagen für den weltweiten Ölverbrauch in Industrienationen, rechnen aber mit einem weiter steigenden Bedarf in Entwicklungsländern wie China. (AP/dpa-AFX/nz)