09. Jun 2008 16:31
Es ist schon ein Reflex: Kaum drohen die Gaspreise zu steigen, erschallt der Ruf nach dem Ende der Kopplung an den Ölpreis. Unsinn, meint ein Energieexperte und verortet Spekulationen um eine drastische Verteuerung als politische Stimmungsmache.
Weber hält eher 20 Prozent als Obergrenze für möglich. Hintergrund des bevorstehenden Anstiegs sei die Bindung des Gaspreises an den in den vergangenen Monaten drastisch gestiegenen Ölpreis. Mittelfristig seien etwa durch einen Ausbau der Förderkapazitäten oder durch einen zurückgehenden Verbrauch aber wieder sinkende Energiepreise möglich.Angesichts des erwarteten Preisanstiegs wächst die Kritik an der Ölpreiskopplung. Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, forderte die Aufhebung der Ölpreisbindung. «Man hat diese Regelung Anfang der 60er Jahre eingeführt. Damals machte es noch Sinn, um die Pipelines zu bauen und zu investieren», erläuterte Kemfert in der ARD. «Man wollte verhindern, dass Gas ein billiges Konkurrenzprodukt zum Öl wird.» Das sei heute nicht mehr zeitgemäß, erklärte die Expertin und forderte: «Der Gaspreis sollte sich frei am Markt entwickeln. Deswegen, denke ich, sollten wir diese Ölpreisbindung aufheben.»
Energieexperte Weber ist allerdings skeptisch, ob eine Abschaffung der Ölpreisbindung kurzfristig sinkende Preise brächte. «Es gibt Vorteile bei einer Abschaffung der Ölpreisbindung, an den Preisen wird sich jedoch nichts ändern», sagte Weber. Das zeige sich in Ländern wie den USA und Großbritannien, in denen der Gaspreis nicht an den Ölpreis gebunden sei.Vorteil einer Abschaffung der starren Preisformel könne dagegen eine schnelle Reaktion auf Nachfrageschwankungen etwa bei milden Wintern sein. Profitieren könne davon etwa die Energiewirtschaft, die den Einsatz von Erdgas in Kraftwerken bei sinkenden Preisen erhöhen könne.