Kartellamt prüft:
Verzerrungen des Wettbewerbs an Tankstellen
28. Mai 2008 22:08
 |  Das Kartellamt vermutet ein 'marktbeherrschendes Oligopol' | Foto: Bundeskartellamt |
|
Viel Kunden glauben, dass die hohen Preise der Ölkonzerne nicht korrekt entstehen. Auch die Betreiber freier Tankstellen beklagen sich. Nun hat das Kartellamt eine Untersuchung der Marktbedingungen begonnen.
Das Bundeskartellamt will der Preisexplosion bei Benzin- und Dieselkraftstoffen nicht länger tatenlos zusehen. Nach zahlreichen Verbraucherbeschwerden kündigten Deutschlands oberste Wettbewerbshüter am Mittwoch eine Untersuchung des Kraftstoffsektors auf Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht an.
Aufgeschreckt worden war das Bundeskartellamt durch zahlreiche Beschwerden von Benzin- und Diesel-Kunden sowie Eingaben freier Tankstellenbetreiber. Dem Kartellamt zufolge misstrauen viele Verbraucher der Preisbildung für Benzin und Diesel grundsätzlich. Die freien Tankstellenbetreiber werfen den großen Gesellschaften dagegen vor, sie mit Beschaffungspreisen über den Tankstellenabgabepreisen in die so genannte Preis-Kosten-Schere zu nehmen.
Ergebnis erst Ende des Jahres
Die Behörde warnte: «Sollten sich Anhaltspunkte für Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht ergeben, werden angemessene Maßnahmen ergriffen.» Hoffnungen auf schnelle Abhilfe sollten sich die Verbraucher allerdings nicht machen. Einen ersten Zwischenbericht der Untersuchung werde es bis Ende des Jahres geben, erklärte das Kartellamt.Ohnehin richtet sich die Untersuchung nicht gegen bestimmte Mineralölgesellschaften. Vielmehr gehe es darum, die generellen Marktbedingungen zu durchleuchten und mögliche Wettbewerbsverzerrungen zu identifizieren, hieß es in Bonn. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Behörde ist der deutsche Kraftstoffmarkt von einem marktbeherrschenden Oligopol von nur fünf Mineralölgesellschaften geprägt. Auf die Konzerne Shell, BP (Aral), ConocoPhilips (Jet), ExxonMobil (Esso) und Total entfallen zusammen rund 73 Prozent des deutschen Kraftstoffabsatzes.
Mineralölbranche verweist auf starken Wettbewerb
«Wir haben einen wettbewerbsintensiven Markt», sagte die Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Hamburg, Barbara Meyer-Bukow, dagegen am Mittwoch der AP. Die Sprecherin des Konzerns Esso, Gabriele Radke, betonte: «Mir ist keine Branche bekannt, die so oft von den Kartellbehörden überprüft worden ist, wie das Tankstellengeschäft. Und das jeweils ohne Befund.» Der Höhenflug der Kraftstoffpreise setzte sich unterdessen fort. Nach Angaben des ADAC vom Mittwoch kostete am Dienstag Diesel mit 1,500 Euro je Liter erstmals im bundesweiten Schnitt mehr als Superbenzin mit 1,499 Euro je Liter. Der Dieselpreis habe seit Dienstag der Vorwoche um zwei Cent angezogen, während Superbenzin gleich teuer geblieben sei, berichtete der ADAC.
In den vergangenen Wochen hatten sich die Preise für beide Produkte schrittweise angenähert, obwohl Diesel mit 22 Cent niedriger besteuert wird als Superbenzin. Als Grund verwiesen Experten auf die weltweit steigende Nachfrage nach Mitteldestillaten wie Kerosin und Diesel. Der Ölpreis ist am Mittwoch nach kurzzeitigen Verlusten wieder über die psychologisch wichtige 130-Dollar-Marke gestiegen. (nz/AP)