Unmut und Zorn in vielen EU-Ländern:
Trucker und Fischer rebellieren gegen Ölpreis
28.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
In Frankreich blockieren Fischer auch nach zwei Wochen noch zahlreiche Häfen und mehrere Ölterminals. Die Verdoppelung der Dieselpreise macht den Fang immer weniger rentabel, der Treibstoff für die Kutter frisst den Verdienst auf. Auf dem Pariser Großmarkt Rungis wird bereits Fisch knapp. Die Fischer sperren immer wieder Straßen, am Ölhafen Fos bei Marseille kam es zur Konfrontation mit der Polizei.
In Großbritannien protestierten Lastwagenfahrer in dieser Woche mit kilometerlangen Konvois und Hupkonzerten gegen die drastischen Preissteigerungen und hohen Steuern. Sollte die Regierung nicht handeln, wollen sie demnächst auch Häfen und Raffinerien blockieren.
Die französischen Fernfahrer drohten ebenfalls mit Kampfmaßnahmen. Sie wollen Fernstraßen blockieren, wenn die Regierung nicht diese Woche noch Hilfen zusagt. Im Bulgarien blockierten am Mittwoch über 100 Lastwagen die Ringautobahn von Sofia. In Spanien verhandelt der Dachverband der Lkw-Spediteure mit der Regierung über Hilfen. Ein Teilverband rief zum 8. Juni zu einem unbefristeten Streik auf.
Auch die Regierung in London zeigt sich beeindruckt von den Protesten. «Die Regierung will die umstrittenen Anhebungen bei der Kraftfahrzeug- und Benzinsteuer überdenken», hieß es am Mittwoch aus dem Kabinett. Dagegen bleibt die spanische Regierung hart und lehnt die Forderung nach einer Senkung der Mineralölsteuer strikt ab.
Nicht in allen EU-Ländern kocht wegen der Energiepreise der Volkszorn. In Italien wird zwar auch über die Benzin- und Dieselpreise gestöhnt, aber noch lauter über die Preiserhöhungen für Pasta und Pane. Auch die autobegeisterten Polen halten sich mit Protesten noch zurück. Man spart lieber beim Essen als beim Auto, denn die Limousine vor der Tür ist eine Sache des Prestiges. (Thomas Lanig, dpa)

