Seehofer und der Bauernstreik: 

netzeitung.deMilch als «Frage von nationalem Belang»

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Alle Milch für die Katz' (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Alle Milch für die Katz'
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Die Bauern kippen ihre Milch in den Abfall, um höhere Preise zu erzwingen. Dabei haben sie die «politische Unterstützung» von Landwirtschaftsminister Seehofer. Denn er hat Angst vor «fatalen Folgen».

Agrarminister Horst Seehofer hat großes Verständnis für den Lieferstreik der Milchbauern geäußert. In Deutschland müsse eine leistungsfähige Landwirtschaft erhalten werden. «Dazu brauchen die Milchbauern einen Preis, von dem sie leben können», sagte der CSU-Politiker am Mittwoch in Berlin.

«Die Zielsetzung hat meine politische Unterstützung.» Seehofer appellierte an die Abnehmer, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden. «Das ist eine Frage von nationalem Belang», sagte der Minister. Sollte Europa von Nahrungsimporten abhängig werden, drohten «fatale Folgen auch für uns».

Seehofer wies aber die FDP-Forderung zurück, die Öko-Steuer und die Steuer auf Agrardiesel für Traktoren zu senken. Nötig seien dagegen die richtigen Rahmenbedingungen, die gezielt das Überleben der Milchbauern etwa in den Alpenregionen sicherten.

Bauernpräsident optimistisch
Bauernpräsident Gerd Sonnleitner sagte, die Milchpreise seien nicht kostendeckend, zumal die Bauern selbst mit höheren Ausgaben kämpften. Auch er äußerte die Hoffnung, dass die Abnehmer ihrer Verantwortung gerecht würden. Die Frage, ob man sich dem Lieferboykott anschließe, müsse aber jede Familie für sich selbst entscheiden.

Der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, Jürgen Abraham, räumte ein, dass die Milchpreise «eher zu gering» seien. Dies liege aber am zu großen Angebot. Wegen der Preissteigerungen im vergangenen Jahr seien die Absätze teils massiv eingebrochen - bei Butter zum Beispiel um 38 Prozent.

Der Lieferboykott der deutschen Milchbauern weitet sich unterdessen nach Verbandsangaben aus. Bundesweit seien bereits mehr als 50 Prozent der üblichen Menge nicht geliefert worden, teilte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) am Mittwoch in Berlin mit. Mittlerweile gebe es keine nennenswerten regionalen Unterschiede mehr. Am Vortag war noch ein deutliches Nord-Süd-Gefälle beobachtet worden.

Einzelhandel sieht keinen Engpass
Der Einzelhandel befürchtet trotz des Lieferboykotts keine Knappheit bei Milchprodukten. «Wir gehen davon aus, auch in den kommenden Tagen die Versorgung flächendeckend sicherstellen zu können», sagte Alexander Lüders, Sprecher von Deutschlands größtem Lebensmitteleinzelhändler Edeka, am Mittwoch in Hamburg. Die Molkereien hielten ihre Lieferverträge derzeit alle noch ein.

Der Protest der Bauern richtet sich gegen die Milchpreise, die je nach Region zwischen 27 und 35 Cent je Liter liegen. Der BDM- Vorsitzende Romuald Schaber sagte, ein Preis von 43 Cent sei «ein absolutes Muss». Zudem müsse es mit den Molkereien künftig jedes Jahr Verhandlungen über einen neuen Basispreis geben. Solange ein solcher Systemwechsel nicht schriftlich fixiert sei, werde keine Milch mehr geliefert. Der BDM rechnet eigenen Angaben zufolge damit, dass sich die Auswirkungen des Lieferboykotts bereits in den nächsten Tagen auch auf das Angebot in den Geschäften auswirken wird. (AP/dpa)