Seehofer und der Bauernstreik:
Milch als «Frage von nationalem Belang»
Seehofer wies aber die FDP-Forderung zurück, die Öko-Steuer und die Steuer auf Agrardiesel für Traktoren zu senken. Nötig seien dagegen die richtigen Rahmenbedingungen, die gezielt das Überleben der Milchbauern etwa in den Alpenregionen sicherten.
Der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, Jürgen Abraham, räumte ein, dass die Milchpreise «eher zu gering» seien. Dies liege aber am zu großen Angebot. Wegen der Preissteigerungen im vergangenen Jahr seien die Absätze teils massiv eingebrochen - bei Butter zum Beispiel um 38 Prozent.
Der Lieferboykott der deutschen Milchbauern weitet sich unterdessen nach Verbandsangaben aus. Bundesweit seien bereits mehr als 50 Prozent der üblichen Menge nicht geliefert worden, teilte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) am Mittwoch in Berlin mit. Mittlerweile gebe es keine nennenswerten regionalen Unterschiede mehr. Am Vortag war noch ein deutliches Nord-Süd-Gefälle beobachtet worden.
Der Protest der Bauern richtet sich gegen die Milchpreise, die je nach Region zwischen 27 und 35 Cent je Liter liegen. Der BDM- Vorsitzende Romuald Schaber sagte, ein Preis von 43 Cent sei «ein absolutes Muss». Zudem müsse es mit den Molkereien künftig jedes Jahr Verhandlungen über einen neuen Basispreis geben. Solange ein solcher Systemwechsel nicht schriftlich fixiert sei, werde keine Milch mehr geliefert. Der BDM rechnet eigenen Angaben zufolge damit, dass sich die Auswirkungen des Lieferboykotts bereits in den nächsten Tagen auch auf das Angebot in den Geschäften auswirken wird. (AP/dpa)

