Netzeitung Logo

 
DruckenVersenden
 

Erboste Landwirte: 

«Milchboykott wird ein Monsun»

28. Mai 2008 13:46
Mancher Milchliter landet in diesen Tage im Abfluss
Bild vergrößern
Mit ihrem Protest ernten die deutschen Landwirte Solidarität in vielen europäischen Ländern. Noch spielen die Molkereien die Auswirkungen herunter. Der Mecklenburger Milchbauer Eckard Meiners glaubt dennoch an den Erfolg.

Eckhard Meiners hat E-Mails über ganz Europa verstreut, sagt er. Und nicht nur er. Deshalb wundert es ihn auch nicht, dass sich Kollegen in der Schweiz und in Frankreich mit den deutschen Boykott-Bauern solidarisieren. In den kommenden Tagen werde man Molkereien blockieren, die Milch nach Deutschland liefern, kündigt die Organisation der französischen Milchproduzenten an. Landwirte in der Schweiz haben ihre Lieferungen gestoppt. Auch Belgien, die Niederlande und Österreich haben dem Bundesverband der Milchviehalter ihre Unterstüztung signalisiert. «Das wird ein Monsun, das wird eine Welle», sagt Eckard Meiners. «Die Regale sind am Wochenende leer.»

Meiners ist Milchbauer in Mecklenburg, im Norden Deutschlands, wo der Protest eigentlich wesentlich schleppender anläuft als etwa in Bayern. Er hat 400 Kühe, die Tag für Tag um die 35 Liter Milch geben. Seit Dienstag verlässt davon nichts mehr den Hof. Es werde alles «innerbetrieblich verwertet», sagt er. Wenn man ihn danach fragt, was genau das heißt, wird er schnell unwirsch. Andere Landwirte reden offener darüber: Sie verfüttern die Milch an Kälber. Oder sie schütten sie in die Gülle und düngen damit die Felder. Meiners weiß, dass das keinen guten Eindruck macht: die gute Milch wegschütten. Deshalb sagt er dazu lieber nichts.

Milchindustrieverband: reine Panikmache

Er erzählt stattdessen von der Sternfahrt, die er mit anderen Bauern aus der Gegend organisiert. Alle würden daran teilnehmen, nicht nur solche wie er, die Milch produzieren. Meiners will solange weiter boykottieren, bis die Forderungen seines Verbands erfüllt sind. 43 Cent pro Liter als Basispreis ist eine von ihnen. Er glaubt an den Erfolg der Aktion: «Da bin ich von überzeugt, sonst würde ich das nicht machen.» Obwohl er durchaus beobachtet, dass nicht alle Kollegen sich so begeistert an dem Boykott beteiligen wie er. Viele stehe das Wasser eben bis zum Hals. Ihre Existenzangst macht sie vorsichtig.

Der Mecklenburger Milchbauer will «auf unbestimmte Zeit» weitermachen. Bisher spielen die Molkereien die Auswirkungen des Boykotts noch herunter. Die Ausfälle würden höchstens 30 Prozent betragen, teilt der Milchindustrieverband mit und wirft Bauern wie Meiners vor, sie würden Panikmache betreiben. Damit der Preis für die Milch steigt müssten eine Woche lang über 50 Prozent der Lieferungen ausfallen, verkündet der Geschäftsführer des Verbands. Beim BDM dagegen will man schon erste Steigerungen wahrgenommen haben. Meiners ist zuversichtlich, dass die Welle weiter wächst. (nz)

 
Drucken
Versenden
  • Bookmark:
  • Mister Wong Webnews Yigg Linkarena Google My Space Del.icio.us Oneview Facebook Twitter
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

 
Bagdad konnte nur ein Feld losschlagen: 
Iraks Vergabe von Öllizenzen gefloppt
Irak versteigert Lizenzen zur Ölförderung: 
Nach den US-Truppen kommen die Ölmultis
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Immobiliensuche
Immobilien
immonet
Anzeigen:

Geschäftsführer: Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2009 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.