18.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Laut Prognose wird in 12 Jahren nur noch halb so viel Öl gefördert
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Preis für einen Barrel Öl jagt von einem Rekord zum nächsten. Und Wissenschaftler gehen davon aus, das das Ende der Verteuerung noch lange nicht erreicht ist, denn schon bald wird weniger Öl gefördert werden.
Die Verbraucher werden einer Studie zufolge auch künftig hohe Öl- und Benzinpreise zahlen müssen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Energy Watch Group. Die Ölförderung werde bis zum Jahr 2030 um die Hälfte schrumpfen, sagte die Expertengruppe am Samstag. Sie bestätigte damit einen Bericht der «Bild»-Zeitung. Dadurch wird sich der Preisdruck weiter erhöhen.
«Man muss auch beachten, dass sich der volle Ölpreis wegen des schwachen Dollars noch nicht durchgeschlagen hat», sagte ein Sprecher der Initiative. «Wenn sich der Dollar erholt, wird sich das auch an deutschen Tankstellen bemerkbar machen.» Die Energy Watch Group ist nach eigenen Angaben ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Parlamentariern zur Energiepolitik. Sie wird getragen von der Ludwig-Bölkow-Stiftung in Ottobrunn.
Dieselfahrzeuge weniger attraktivAllerdings sei die insgesamt rückläufige Entwicklung der Fördermengen nicht unumkehrbar, hieß es. Frühere Untersuchungen hatten stets darauf hingewiesen, dass höhere Preise auch die Erschließung neuer, bislang unrentabler Lagerstätten möglich machen.
Angesichts der Preisgestaltung an den Tankstellen verlieren Dieselfahrzeuge nach Ansicht von Experten gegenüber Autos mit Benzinmotoren zunehmend an Attraktivität. «Wer einen Diesel nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten kauft, der kommt immer seltener in den Genuss eines Vorteils», sagte ein ADAC-Sprecher der Essener «Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung».
Hintergrund seien die hohen Dieselpreise, die inzwischen nach ADAC-Angaben mancherorts sogar über den Benzinpreisen liegen. Bei Klein- und Kompaktwagen rechne sich so der Kauf eines Autos mit Dieselmotor nicht mehr. Die stark in der Dieseltechnologie vertretenen deutschen Autohersteller müssten sich auf sinkende Absatzzahlen einstellen.
US-Regierung will gegensteuernDie US-Regierung hat angesichts der explodierenden Ölpreise die Belieferung ihrer strategischen Reserven ausgesetzt. Entsprechende Verträge laufen Ende Juni aus und sollen für die sechs Monate danach nicht verlängert werden, teilte das Energieministerium mit. Ursprünglich war vorgesehen, die Vorräte von August an bis Dezember mit 76.000 Barrel Öl (je 159 Liter) täglich aufzustocken. Der Kongress hatte jedoch beschlossen, die Belieferung auszusetzen, um damit eine Entspannung bei den Öl- und Benzinpreisen zu erreichen. Nach Mitteilung des Ministeriums sind die unterirdischen Tanks in den US-Staaten Louisiana und Texas derzeit mit knapp 703 Millionen Barrel gefüllt. Das sind 97 Prozent der Gesamtkapazität von 727 Millionen Barrel.
Das Herrscherhaus von Saudi-Arabien lehnt derweil eine weitere Steigerung der Ölförderung des Königreichs ab. Ölminister Ali al- Nuaimi und Außenminister Prinz Saud al-Faisal sagten am Freitagabend nach einem Treffen von König Abdullah mit US-Präsident George W. Bush, eine Steigerung sei derzeit nicht nötig, da man bereits zum 10. Mai die Produktion um 300 000 Barrel pro Tag erhöht habe. Damit habe man auf die wachsende Nachfrage auf dem Weltmarkt reagiert. Bush war nach Saudi-Arabien gereist, um den größten erdölproduzierenden Staat der OPEC zu einer Produktionssteigerung zu bewegen. Dies sollte den Auftrieb des Rohölpreises zu stoppen.
Die Sorge vor Angebotsengpässen hatte den US-Ölpreis am Freitag erneut auf ein Rekordhoch steigen lassen. Für ein Barrel der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juni kletterte er in der Spitze auf 127,43 Dollar. Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) war leicht gestiegen. Nach Angaben des OPEC-Sekretariat vom Freitag kostete ein Barrel Rohöl aus den Fördergebieten des Kartells am Donnerstag 118,95 Dollar. (AP/dpa)