80 Pence für einen Euro:
Britisches Pfund im Sturzflug
09. Mai 11:54
 |  Britisches Pfund | Foto: dpa |
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Die einst stolze Währung wird immer schwächer, weil die Wirtschaft und der Finanzmarkt kriseln. Für viele Engländer steht nicht nur ein Symbol nationaler Stärke, sondern auch ihr Urlaub auf dem Kontinent in Frage.
Für deutsche Urlauber in Spanien, Italien oder Griechenland wird der Kampf an der Sonnenliegen-Front in diesem Jahr um einiges entspannter. Denn die schärfste Konkurrenz – die Briten – werden sich kommende Saison wohl nicht so oft in den europäischen Mittelmeerländern blicken lassen. Der Grund: Ihre Währung wird im Vergleich zum Euro immer schwächer. Das Pfund Sterling kostet derzeit nur noch 1,27 Euro. Seit Beginn der Finanzmarktturbulenzen im vergangenen Sommer ist das britische Pfund wie im Sturzflug gesunken und kürzlich auf einem Rekordtiefstand gelandet. Nun taucht sogar die für viele Briten lange unsägliche Frage auf: War es ein Fehler, nicht der EU-Währung beizutreten?
Umgekehrt gesellt sich für die Deutschen zum «billigen» Dollar-Ferienraum nun auch das Inselreich als günstiges Reiseland hinzu – zumindest was die Währung betrifft: Für einen Euro bekommt man mittlerweile fast 80 Pence; zur Einführung des Euro als Bargeld im Jahr 2002 waren es nur 58 Pence. Das Bier im Londoner Pub ist heute also umgerechnet schon für rund 3,80 Euro zu haben, statt für die damaligen etwa 5,20 Euro.
Die «Klo-Währung» triumphiert
Lange Zeit machte das Pfund seinem Namen alle Ehre (der Euro wurde dagegen auf der Insel als «toilet currency», also Klo-Währung, bezeichnet) und verlor im Gegensatz zum Dollar nicht an Wert. Investoren lobten sich die hohen Zinsen der Bank of England, mit denen sich mehr verdienen ließ als im Euro-Raum. Doch seit sich die Kreditkrise wie ein Gewitter über Großbritannien zusammengebraut hat, sind diese Zeiten vorbei. Die Bank of England, die britische Notenbank, senkte in den vergangenen fünf Monaten bereits mehrmals Mal die Zinsen, um die Kreditnot zu lindern.Die Parallelen zwischen dem Vereinten Königreich und den USA sind Besorgnis erregend, nicht nur was die Abwertung der Währung angeht. Tag für Tag werden neue Hiobsbotschaften vermeldet: Die Hauspreise und damit die Immobilienwerte fallen erstmals seit Jahren, die Hypothekenraten steigen und die britischen Banken veröffentlichen der Reihe nach Megaabschreibungen, weil sie sich am US-Immobilienmarkt mit Ramschkrediten verzettelt haben.
Immobilienmarkt als Achillesferse
«Der Grund für die Schwäche des Pfundes ist der schlechte wirtschaftliche Ausblick in Großbritannien, und der Immobilienmarkt ist die Achillesferse», schreibt Michael Klawitter von der Investmentbank Dresdner Kleinwort in einer Analyse. Ähnlichkeiten mit den USA bestünden auch in der hohen Verschuldung und den relativ geringen Ersparnissen der Briten. Aber anders als Amerika kann sich Großbritannien nicht auf eine starke Industriebranche berufen, die normalerweise von einer fallenden Währung profitiert, weil die Nachfrage nach Exporten dann steigt. Das Vereinte Königreich lebt vor allem vom Finanzsektor.Vor allem für Premierminister Gordon Brown – der durch die Kreditkrise und den Kollaps der Hypothekenbank Northern Rock sowieso schon unter Druck steht – ist die Situation ungemütlich, sollten seine Landsleute nun nach dem Euro rufen. Schließlich war er es, der sich als damaliger Finanzminister gegen die Einführung des Euro auf der Insel stemmte. (Von Annette Reuther, dpa)