Die Entscheidung für konstante Zinsen fiel nach Trichets Worten einstimmig: «Es gab keine Forderung im Rat nach einem Zinsschritt.» Da die Folgen der Finanzmarktkrise und der starke Euro die europäische Wirtschaft belasten, fordern Gewerkschaften und einige Politiker seit längerem niedrigere Zinsen. Sie machen Kredite für Unternehmen und Verbraucher billiger. Doch die EZB sorgt sich mehr um die Teuerung als um die Konjunktur. Die Euro-Wirtschaft sei trotz einiger enttäuschender Wirtschaftsdaten nach wie vor auf dem Weg eines «moderaten, aber anhaltenden Wachstums», sagte Trichet. «Es gibt mal gute und mal schlechte Nachrichten.» Die Teuerungsrate in den 15 Euro-Ländern hatte sich im April zwar etwas von 3,6 auf 3,3 Prozent abgeschwächt, liegt aber weiter über dem Zielniveau von knapp 2,0 Prozent, bei dem die EZB Preisstabilität als gewahrt ansieht.