28. Apr 2008 10:53
Gegen den Widerstand von Großaktionären hat sich der Vorstand des Telekomanbieters durchgesetzt und die Übernahme des Konkurrenten Debitel beschlossen. Nun müssen sich die Kartellwächter mit dem Fall beschäftigen.
Das neue Unternehmen wäre die neue Nummer drei im deutschen Mobilfunkmarkt nach T-Mobile und Vodafone. Freenet und Debitel haben allerdings im Gegensatz zu ihnen kein eigenes Netz. Freenet-Chef Eckhard Spoerr verspricht sich von der Verschmelzung mit Debitel bessere Wachstumschancen im hart umkämpften Mobilfunkmarkt. Gemeinsam kommen die beiden Unternehmen nach eigenen Angaben auf mehr als 1000 Vertriebsfilialen. Spoerr wird entgegen früheren Spekulationen Vorstandschef bleiben. Debitel-Chef Oliver Steil soll wie auch Finanzvorstand Joachim Preisig in den Vorstand von Freenet wechseln. Bei einigen Freenet-Aktionären stößt die Übernahme indes auf Widerstand. Die Großaktionäre United Internet und Drillisch sprachen sich in einem am Sonntag an die Freenet-Führung verschickten Brief gegen den Kauf von Debitel aus und stellten erneut ein Übernahmeangebot in Aussicht. «Die Abgabe eines Übernahmeangebots würde selbstverständlich voraussetzen, dass die Debitel-Transaktion nicht durchgeführt wird», heißt es in dem Schreiben.
Freenet-Chef Spoerr lehnt einen Kauf durch United Internet und Drillisch dagegen ab, die über eine Holding 25,2 Prozent des norddeutschen Unternehmens kontrollieren. Um den Übernahmeversuch abzuwehren, stellte er vor knapp einem Monat die Weichen für den Erwerb von Debitel. Durch die Ausgabe neuer Aktien an Permira wird der Freenet-Anteil von United Internet und Drillisch sinken.
Nach eigenen Angaben haben United Internet und Drillisch Partner für ihre Pläne gefunden. Acht institutionelle Investoren, die rund 32,6 Prozent des Grundkapitals von Freenet hielten, hätten ihr Interesse bekundet, die Aktien zu verkaufen. «Zusammen mit den von uns und von Drillisch gehaltenen Aktien wären dies mehr als 58 Prozent des Grundkapitals», schreibt United-Internet-Chef Ralph Dommermuth. Zu den verkaufswilligen Anlegern gehört Kreisen zufolge die Schweizer Großbank Credit Suisse.
United Internet und Drillisch wollen Freenet übernehmen und zerschlagen, wobei sich United Internet für das DSL- und Portalgeschäft interessiert und Drillisch für den Mobilfunk-Teil. (dpa-AFX)