Netzeitung Logo

 
DruckenVersenden
 

Schwacher Start ins Jahr: 

ProSieben nach schlechten Zahlen im freien Fall

25. Apr 2008 13:59
Für ProSiebenSat1 laufen die Geschäfte schlecht.
Bild vergrößern
Sinkende Werbeeinnahmen und schwache Sat1-Quoten haben dem TV-Konzern einen Gewinneinbruch beschert. ProSiebenSat1 dreht weiter an der Kostenschraube, der Aktienkurs fällt kräftig.

Nach erschreckend schlecht ausgefallenen Geschäftszahlen haben die Aktien des TV-Konzerns ProSiebenSat1 kräftig an Wert verloren. Am Freitag fielen sie zeitweise um 25 Prozent. Zuvor hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass vor allem wegen des schlechten Geschäfts in Deutschland der Gewinn im ersten Quartal eingebrochen ist. Als Folge legt der für Marketing zuständige Vorstand Peter Christmann zu Ende Juni sein Amt nieder.

Zwar hat ProSiebenSat1 durch die Übernahme der SBS Broadcasting Group den Gewinn und Umsatz deutlich gesteigert. Doch auf vergleichbarer Basis gingen beide Werte gegenüber dem Vorjahresquartal erheblich zurück. So fiel der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (recurring Ebitda) auf Basis des Proforma-Vergleichs um 25,1 Prozent auf 88,5 Millionen Euro. Die Konzernerlöse sanken um zwei Prozent auf 729,1 Millionen Euro. Die Zahlen lagen weit hinter den Erwartungen von Analysten.

Neues Verkaufsmodell belastet

Als Grund für den Rückgang gab ProSiebenSat1 in erster Linie die schwache Geschäftsentwicklung im Heimatmarkt an. Im Segment Free-TV in Deutschland seien die externen Erlöse um 4,9 Prozent auf 417,1 Millionen Euro gesunken, hieß es. Der Gewinn ging kräftig um 18,4 Prozent auf 57,6 Millionen Euro zurück.

Umsatz- und Ergebnisrückgang resultierten laut Konzern aus «Unsicherheiten infolge des neuen Verkaufsmodells für Werbezeiten». Dieses hatte die TV-Gruppe nach einem Verfahren des deutschen Kartellamts Ende 2007 eingeführt. Zudem habe die Quotenschwäche von Sat1 zum schlechten Ergebnis beigetragen. ProSiebenSat1-Chef Guillaume de Posch sprach von einem «schwierigen ersten Quartal».

Besser lief es im internationalen Geschäft: Hier steigerte der Konzern im Free-TV den Umsatz um 1,3 Prozent auf 176,0 Millionen Euro. Der Gewinn sank allerdings wegen Anlaufkosten für neue Kanäle in Schweden und Norwegen um 28,6 Prozent auf 27,5 Millionen Euro. Das Segment Diversifikation machte erheblich weniger Gewinn wegen geringerer Call-TV-Erlöse von 9Live und höherer Kosten durch den Ausbau der Geschäftstätigkeit in den Bereichen Pay-TV und Video-on-Demand.

Auf die Kostenbremse

Vorstandsmitglied Christmann zog die Konsequenz aus den rückläufigen Ergebnissen der Gruppe: Er habe entschieden, «die Verantwortung zu übernehmen und seinen Vertrag nicht zu verlängern», teilte ProSiebenSat1 weiter mit. Damit werde Christmann das Unternehmen nach 13 Jahren Ende Juni verlassen. Christmann war im Vorstand für Sales und Marketing verantwortlich. De Posch übernehme den Bereich kommissarisch.

Nach Angaben des Konzerns wurde das Verkaufsmodell für den deutschen Markt inzwischen verändert, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Zudem habe das Unternehmen einen Kostensenkungsplan von 70 Millionen Euro beschlossen. Reduziert werden sollten Vertriebs- und Verwaltungskosten, hieß es. Außerdem werde auf eine «optimierte Nutzung des existierenden Programmvermögens» gesetzt.

Analysten zeigen sich indes skeptisch: «Unseres Erachtens wird sich dieses Kostensenkungsprogramm langfristig nicht positiv auf den Wert der Gesellschaft auswirken», kommentiert etwa Analyst Frank Neumann vom Bankhaus Lampe. «Nach Jahren der Kosteneinsparungen, die die Gesellschaft bereits hinter sich hat, ist unseres Erachtens gerade in der Verwaltung sowie im Vertrieb kaum noch Luft für Einsparungen vorhanden.»

Einsparungen beim Programm wiederum dürften sich letztlich aber negativ auf die Quoten der Sender auswirken, schätzt Neumann. Er senkte sein Kursziel und stufte die Aktie zum Verkauf ein. Seine Begründung: Nach dem schweren ersten Quartal stehe ProSiebenSat1 ein «herausforderndes zweites Quartal» ins Haus. Danach folge das traditionell schwächste Jahresquartal. (nz/dpa-AFX)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
 
Wirtschaftssysteme rund um den Globus: 
Die Varianten des Kapitalismus
Erwartungen an den Weltfinanzgipfel: 
Große Runde, kleiner gemeinsamer Nenner
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Immobiliensuche
Immobilien
immonet
Aus anderen Ressorts

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.