23. Apr 2008 13:15
Analysten erwarten, dass Microsoft sein Gebot für Yahoo aufstockt - allerdings nicht unbedingt wegen dessen Quartalszahlen: Den Gewinnsprung hat der Internetkonzern einem Einmaleffekt zu verdanken.
Denn schon bei der Vorlage der ersten Offerte – Microsoft bietet derzeit knapp 45 Milliarden Dollar für Yahoo – konterte der Umworbene, dieses Angebot sei unangemessen und müsse deutlich aufgestockt werden. Das verweigert Ballmer bislang, sein Angebot läuft am Wochenende aus.Die Yahoo-Aktionäre werden sich angesichts der Quartalszahlen nun erst recht überlegen, ob sie auf die Offerte aus Redmond reagieren sollen – Yang rät ihnen jedenfalls ab. «Wir sind sehr stolz auf unsere Ergebnisse», sein Unternehmen werde daher keinem Geschäft zustimmen, das es zu niedrig bewerte. Grundsätzlich hat der Yahoo-Vorstand nichts gegen einen Verkauf an Microsoft, doch eben zu einem aus seiner Sicht fairen Preis.
Zum Thema Microsoft wollte Yang bei der Telefonkonferenz mit Analysten wenig sagen – «Denken Sie dran: Das ist eine Konferenz zu den Quartalszahlen», erinnerte er die Beteiligten mit knappen Worten daran, doch bitteschön nur Fragen zu den Ergebnissen zu stellen. Immerhin: Yang wertete die Zahlen für die ersten drei Monate 2008 als weiteren Beleg, dass Microsofts Offerte zu niedrig sei.
Allerdings steigerte Yahoo steigerte den Überschuss im ersten Quartal nur dank eines Sondereffektes deutlich von 142 auf 542 Milliarden Dollar: Darin ist 401 Millionen Dollar Einmalgewinn aus dem Börsengang von Alibaba enthalten, dem chinesischen Internetunternehmen, an dem Yahoo 39 Prozent hält. Ohne den Sondereffekt lag der Gewinn auf Vorjahresniveau.
Der Yahoo-Umsatz legte um neun Prozent auf 1,82 Milliarden Dollar zu. Analysten bewerteten insbesondere das 18-prozentige Wachstum der Werbeerlöse positiv. Allerdings wies Yahoo selbst darauf hin, dass das Online-Werbegeschäft in den Bereichen Finanzen, Reise und Einzelhandel derzeit schlecht laufe, als Folge der schwachen US-Konjunktur. Dennoch gab sich Yahoo zuversichtlich, dies durch die grundsätzliche Verlagerung von Werbung vom Print zu Online einigermaßen ausgleichen zu können.Die Prognose für das Gesamtjahr wurde indes unverändert belassen, was am Markt schlecht ankam: Nachbörslich gaben die Yahoo-Aktien nach. An der Wall Street rechnen viele mit einer Übernahme durch Microsoft, wenn auch zu einem leicht höheren Preis. Die Quartalszahlen widerlegten Ballmers Einschätzung, dass Yahoo heute weniger wert sei als zum Zeitpunkt, als Microsoft das Angebot vorlegte, sagte der Internetanalyst von Jefferies & Co, Youssef Squali, dem «Wall Street Journal». Microsoft müsse sein Angebot erhöhen.
Der Softwareriese will mit dem Kauf von Yahoo die Dominanz des Rivalen Google bei Online-Suche und Internetwerbung brechen. Yahoo hat sich zur Abwehr alternative Allianzen ausgeschaut, etwa mit Google und mit AOL, dem Online-Portal von Time Warner.Welche Rolle der Medienmogul Rupert Murdoch spielt, ist noch unklar. Mal spricht der Unternehmer mit Yahoo über eine Kooperation – eine Gegenofferte zu der von Microsoft hatte Murdoch allerdings ausgeschlossen –, mal mit dem Softwarekonzern.
Microsofts Ultimatum läuft am Wochenende aus. Gelingt bis dahin keine Einigung, plant der Windows-Konzern eine feindliche Übernahme gegen den Widerstand des Yahoo-Managements. Microsoft legt am Donnerstag nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen vor.