Netzeitung Logo

 
DruckenVersenden
 

Kampf um den Online-Markt: 

Microsoft nimmt Yahoo-Zahlen gelassen

23. Apr 2008 13:15
Yahoo-Werbetafel in San Francisco
Bild vergrößern
Analysten erwarten, dass Microsoft sein Gebot für Yahoo aufstockt - allerdings nicht unbedingt wegen dessen Quartalszahlen: Den Gewinnsprung hat der Internetkonzern einem Einmaleffekt zu verdanken.

Der US-Softwarekonzern Microsoft hat sich von den jüngsten Quartalszahlen des Internet-Unternehmens Yahoo nicht beeindrucken lassen: Die Geschäftsergebnisse würden den Wert von Yahoo für Microsoft nicht beeinflussen, sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer, noch bevor Yahoo am späten Dienstagabend seine Zahlen vorlegte. Die sahen ziemlich gut aus und dürften damit Yahoo-Chef Jerry Yang neues Futter im Kampf gegen eine Übernahme durch Microsoft geben.

Denn schon bei der Vorlage der ersten Offerte – Microsoft bietet derzeit knapp 45 Milliarden Dollar für Yahoo – konterte der Umworbene, dieses Angebot sei unangemessen und müsse deutlich aufgestockt werden. Das verweigert Ballmer bislang, sein Angebot läuft am Wochenende aus.

Die Yahoo-Aktionäre werden sich angesichts der Quartalszahlen nun erst recht überlegen, ob sie auf die Offerte aus Redmond reagieren sollen – Yang rät ihnen jedenfalls ab. «Wir sind sehr stolz auf unsere Ergebnisse», sein Unternehmen werde daher keinem Geschäft zustimmen, das es zu niedrig bewerte. Grundsätzlich hat der Yahoo-Vorstand nichts gegen einen Verkauf an Microsoft, doch eben zu einem aus seiner Sicht fairen Preis.

Zum Thema Microsoft wollte Yang bei der Telefonkonferenz mit Analysten wenig sagen – «Denken Sie dran: Das ist eine Konferenz zu den Quartalszahlen», erinnerte er die Beteiligten mit knappen Worten daran, doch bitteschön nur Fragen zu den Ergebnissen zu stellen. Immerhin: Yang wertete die Zahlen für die ersten drei Monate 2008 als weiteren Beleg, dass Microsofts Offerte zu niedrig sei.

Allerdings steigerte Yahoo steigerte den Überschuss im ersten Quartal nur dank eines Sondereffektes deutlich von 142 auf 542 Milliarden Dollar: Darin ist 401 Millionen Dollar Einmalgewinn aus dem Börsengang von Alibaba enthalten, dem chinesischen Internetunternehmen, an dem Yahoo 39 Prozent hält. Ohne den Sondereffekt lag der Gewinn auf Vorjahresniveau.

Analysten erwarten höheres Gebot

Der Yahoo-Umsatz legte um neun Prozent auf 1,82 Milliarden Dollar zu. Analysten bewerteten insbesondere das 18-prozentige Wachstum der Werbeerlöse positiv. Allerdings wies Yahoo selbst darauf hin, dass das Online-Werbegeschäft in den Bereichen Finanzen, Reise und Einzelhandel derzeit schlecht laufe, als Folge der schwachen US-Konjunktur. Dennoch gab sich Yahoo zuversichtlich, dies durch die grundsätzliche Verlagerung von Werbung vom Print zu Online einigermaßen ausgleichen zu können.

Die Prognose für das Gesamtjahr wurde indes unverändert belassen, was am Markt schlecht ankam: Nachbörslich gaben die Yahoo-Aktien nach. An der Wall Street rechnen viele mit einer Übernahme durch Microsoft, wenn auch zu einem leicht höheren Preis. Die Quartalszahlen widerlegten Ballmers Einschätzung, dass Yahoo heute weniger wert sei als zum Zeitpunkt, als Microsoft das Angebot vorlegte, sagte der Internetanalyst von Jefferies & Co, Youssef Squali, dem «Wall Street Journal». Microsoft müsse sein Angebot erhöhen.

Der Softwareriese will mit dem Kauf von Yahoo die Dominanz des Rivalen Google bei Online-Suche und Internetwerbung brechen. Yahoo hat sich zur Abwehr alternative Allianzen ausgeschaut, etwa mit Google und mit AOL, dem Online-Portal von Time Warner.Welche Rolle der Medienmogul Rupert Murdoch spielt, ist noch unklar. Mal spricht der Unternehmer mit Yahoo über eine Kooperation – eine Gegenofferte zu der von Microsoft hatte Murdoch allerdings ausgeschlossen –, mal mit dem Softwarekonzern.

Microsofts Ultimatum läuft am Wochenende aus. Gelingt bis dahin keine Einigung, plant der Windows-Konzern eine feindliche Übernahme gegen den Widerstand des Yahoo-Managements. Microsoft legt am Donnerstag nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen vor.

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
 
Wirtschaftssysteme rund um den Globus: 
Die Varianten des Kapitalismus
Erwartungen an den Weltfinanzgipfel: 
Große Runde, kleiner gemeinsamer Nenner
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Immobiliensuche
Immobilien
immonet
Aus anderen Ressorts

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.