Bauernprotest:
Milchregale könnten bald leer bleiben
23.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die führenden Discounter-Ketten Aldi und Lidl hatten ihre Milchpreise um 12 Cent pro Liter gesenkt. Die Milchbauern bekommen somit nur noch maximal 35 Cent pro Kilogramm Milch, im November waren es noch 41 Cent. Gleichzeitig steigen die Kosten der Bauern, weil neben Strom und Benzin vor allem die Preise für Tierfutter in die Höhe geschnellt sind.
Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner sagte der «Süddeutschen Zeitung», der neuerliche Verfall des Milchpreises sei «ganz klar existenzbedrohend für unsere Milchbauern». Er warf den wenigen Einkaufszentralen im Lebensmittelhandel vor, ihre Marktmacht zu missbrauchen. «Das ist schlimmster Frühkapitalismus», sagte er. Sonnleitner reichte eine Beschwerde beim Bundeskartellamt ein, in der er die Preisabsprache des Einzelhandels anprangerte. Ein Sprecher des Kartellamts sagte am Mittwoch in Bonn, die zuständige Beschlussabteilung untersuche, ob ein Verfahren eingeleitet werden müsse.
Bei einem Boykott ginge den Supermärkten schnell die Frischmilch aus, denn der Vorrat reicht meist nicht länger als eineinhalb Tage. Wann, wo und wie gestreikt wird, bleibt vorerst unklar. Sehm sagte der «Berliner Zeitung: »Genaueres möchten wir aus taktischen Gründen nicht sagen, denn es soll ein Überraschungscoup werden.«
Der Deutsche Bauernverband hält die Boykottdrohungen für gewagt. Ein Lieferstopp würde die Landwirte selbst finanziell hart treffen, sie bekommen nämlich kein Ausfallgeld. (nz)

