22.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Viele Firmen holen die ins Ausland verlagerte Produktion wieder zurück.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Firmen versprechen sich viel von der Verlagerung der Produktion ins Ausland - doch der Schritt erweist sich oft als Irrweg, zeigt eine Studie. Der Verein Deutscher Ingenieure sieht einen Trend zur Rückkehr.
Kürzlich präsentierte der Wirtschaftswissenschaftler Horst Wildemann auf dem 15. Münchener Management Kolloquium eine spannende These: «Bei einem Lohnkostenanteil unter 20 Prozent lohnt sich eine Verlagerung in Billiglohnländer nicht.» Ein Wechsel der Rahmenbedingungen senke die Produktionskosten im Schnitt nur um fünf Prozent.
Offenbar machen immer mehr hiesige Firmen diese Erfahrung und verlagern die ins Ausland verschobene Produktion wieder zurück nach Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), die am Dienstag auf der Hannover Messe vorgestellt wurde. «Was wir erleben, ist eine Renaissance des Standorts Deutschland», sagte VDI-Präsident Bruno Braun. Auf jede vierte bis fünfte Auslandsverlagerung folge spätestens nach fünf Jahren die Rückkehr nach Deutschland.
In der Tat sind die Personalkosten der Studie zufolge das Hauptmotiv für die Verlagerung und doch bringt der Gang ins billigere Ausland oft nicht die erhoffte Kostenersparnis. «Genau diese Betrachtungsweise ist problematisch», sagte Steffen Kinkel vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), das die Studie im Auftrag des VDI erstellt hat. «Denn die Lohnkosten machen in vielen Betrieben nur noch zehn Prozent der Gesamtkosten aus, die hier zu erzielende Hebelwirkung ist also begrenzt.»
«Sehr kurzfristig und unprofessionell»Dem stimmte Braun zu: «Unternehmen agieren hier teilweise sehr kurzfristig und unprofessionell, da sie schlicht und einfach viele Kosten nicht berücksichtigen.» Dazu zählen laut Kinkel die Kosten für die Betreuung und Kontrolle, aber auch die Anlaufzeiten am neuen Standort und das Netzwerk vor Ort. Die Folge: Rückverlagerung. Als Hauptgründe für die Rückkehrwelle nannte Braun eine mangelnde Flexibilität am ausländischen Standort und oft auch eine nicht genügende Qualität der Produktion.
Hinzu komme, dass die Unternehmen bei Verlagerungen langjährige bewährte Kontakte etwa zu Zulieferern entweder aufgäben oder aber Vorleistungen weiterhin aus Deutschland bezögen mit entsprechenden Kosten, so der VDI-Präsident. Allerdings kommt die Studie auch zu dem Ergebnis, dass Betriebe von Produktionsverlagerungen profitieren können, nämlich wenn dadurch auch neue Märkte erschlossen werden.
Vor allem Geringqualifizierte betroffenDer Studie zufolge gehen durch Produktionsverlagerungen in Deutschland jedes Jahr 74.000 Arbeitsplätze verloren. Das entspreche zwei Prozent der Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes oder sieben Milliarden Euro, rechnete VDI-Präsident Braun vor. Derzeit verlagere jeder elfte Betrieb des Verarbeitenden Gewerbes Teile seiner Produktion ins Ausland Mitte 2004 sei es aber noch jedes achte Unternehmen gewesen. Untersucht wurde die Entwicklung in Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes ab 20 Mitarbeiter seit 1995.
Am Montag hatte das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass die Verlagerung von Jobs in Billiglohnländer in Deutschland vor allem Beschäftigte mit geringer Qualifikation trifft. Von 2001 bis 2006 wurden demnach rund 188.000 Jobs durch das Auslandsengagement von Unternehmen abgebaut. Im Gegenzug schufen die Firmen mit 100 und mehr Beschäftigten am heimischen Standort 105.000 neue Stellen. Unter dem Strich gingen damit 83.000 Jobs verloren. Insgesamt 125.000 Jobs für gering Qualifizierte fielen weg, nur 37 Prozent davon wurden als neue Stellen am bisherigen Standort geschaffen. (nz/dpa/AP)