Diskussion um Bahn-Privatisierung:
Verkauf der British Rail hat nur Nachteile gebracht
16.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Anfangs kassierten Railtrack-Aktionäre noch hohe Profite, doch 2002 war der Netzwerkkonzern pleite. Selbst konservative Politiker, die sich die Förderung des freien Unternehmertums auf die Fahnen geschrieben haben, räumen ein, dass die Bahnprivatisierung in Großbritannien unüberlegt und überhastet erfolgt sei.
Es dauerte Jahre bis die Folgen halbwegs überwunden werden konnten, wenngleich die Privatisierung bis heute von Bahnkunden mit viel Ärger über Ausfälle, Verspätungen und die höchsten Fahrpreise in Europa bezahlt wird. Seit 2002 liegt die Verantwortung für die Funktionstüchtigkeit des Schienenstrangs bei dem Unternehmen Network Rail. Es wird zwar nach privatwirtschaftlichen Methoden geführt, ist aber ausdrücklich nicht mehr auf Gewinne orientiert.
Die Zahl der Unglücke und Verspätungen ging zurück. Doch die Chaos-Jahre nach der Privatisierung führten dazu, dass die Entwicklung und der Ausbau der Infrastruktur hinter den steigenden Anforderungen an den Bahntransport zurückblieben. Besonders sichtbar ist das in Ballungsgebieten, vor allem im Großraum London.
Hunderttausende, die in der Hauptstadt arbeiten, aber wegen extrem hoher Mieten und der teuren Maut im Citybereich außerhalb der Metropole wohnen, sind auf die Bahn angewiesen. Überfüllte Waggons, Verspätungen und Ausfälle gehören zu einer normalen Arbeitswoche. Kein Wunder, dass sich bei Umfragen die meisten Briten auch heute noch die alte Staatsbahn zurückwünschen. (dpa)

