16. Apr 2008 15:00
In Deutschland wird wieder über die Bahnprivatisierung diskutiert. Ein Blick nach England zeigt, dass sich mit dem Verkauf der British Rail im Inselstaat alles verschlechtert hat.
Dafür wurden sie zumindest anfangs deutlich gefährlicher. In den ersten Jahren nach der 1994 begonnenen Übernahme durch profitorientierte Firmen häuften sich Zugunglücke. Neben einem nur noch mangelhaft gewarteten Schienennetz wurden Managementfehler dafür verantwortlich gemacht sowie Einsparungen an Personal und Material beim Schienennetzbetreiber Railtrack, der 1996 an die Börse ging. Anfangs kassierten Railtrack-Aktionäre noch hohe Profite, doch 2002 war der Netzwerkkonzern pleite. Selbst konservative Politiker, die sich die Förderung des freien Unternehmertums auf die Fahnen geschrieben haben, räumen ein, dass die Bahnprivatisierung in Großbritannien unüberlegt und überhastet erfolgt sei.
Es dauerte Jahre bis die Folgen halbwegs überwunden werden konnten, wenngleich die Privatisierung bis heute von Bahnkunden mit viel Ärger über Ausfälle, Verspätungen und die höchsten Fahrpreise in Europa bezahlt wird. Seit 2002 liegt die Verantwortung für die Funktionstüchtigkeit des Schienenstrangs bei dem Unternehmen Network Rail. Es wird zwar nach privatwirtschaftlichen Methoden geführt, ist aber ausdrücklich nicht mehr auf Gewinne orientiert.
Die Zahl der Unglücke und Verspätungen ging zurück. Doch die Chaos-Jahre nach der Privatisierung führten dazu, dass die Entwicklung und der Ausbau der Infrastruktur hinter den steigenden Anforderungen an den Bahntransport zurückblieben. Besonders sichtbar ist das in Ballungsgebieten, vor allem im Großraum London.
Hunderttausende, die in der Hauptstadt arbeiten, aber wegen extrem hoher Mieten und der teuren Maut im Citybereich außerhalb der Metropole wohnen, sind auf die Bahn angewiesen. Überfüllte Waggons, Verspätungen und Ausfälle gehören zu einer normalen Arbeitswoche. Kein Wunder, dass sich bei Umfragen die meisten Briten auch heute noch die alte Staatsbahn zurückwünschen. (dpa)