Überraschender Rückzug:
KfW-Chefin Matthäus-Maier tritt zurück
07. Apr 2008 14:59, ergänzt 17:38
 |  Ingrid Matthäus-Maier | Foto: AP |
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Matthäus-Maier wirft im Zuge des IKB-Debakels das Handtuch und gibt ihren Posten als KfW-Vorstandssprecherin ab. Die Finanzkrise der KfW-Tochter hinterlässt in der Bilanz 2007 ihrer Muttergesellschaft tiefe Spuren.
Die Vorstandssprecherin der staatlichen KfW- Bankengruppe, Ingrid Matthäus-Maier, ist zurückgetreten. Das teilte die KfW am Montagnachmittag in Frankfurt am Main mit und bestätigte damit vorherige Berichte der Nachrichtenagentur dpa. Die 62-Jährige lege aus «akuten gesundheitlichen Gründen» ihr Amt nieder, hieß es. Die SPD-Politikerin begründete ihren Schritt mit den «Turbulenzen um die Risikoabschirmung der IKB und die andauernde Diskussion um meine Person» in den vergangenen Monaten.
Dies habe dazu geführt, dass sie sich «nicht mehr mit voller gesundheitlicher Kraft meiner Arbeit widmen kann und zudem die KfW immer mehr Schaden nimmt», wurde Matthäus-Maier weiter zitiert. Über die Nachfolge soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden, teilte die KfW weiter mit. Bis dahin nehme Vorstandsmitglied Wolfgang Kroh das Sprecheramt kommissarisch wahr.Mit ihrem Rückzug zog Matthäus-Maier offenbar die Konsequenzen aus der wachsenden Kritik an ihrem Umgang mit der IKB-Krise. Ihr war immer wieder vorgeworfen worden, zu zögerlich vorzugehen. Die KfW ist als größte Einzelaktionärin vom Finanzdebakel der Mittelstandsbank stark betroffen. Die IKB hatte sich auf dem US-Hypothekenmarkt mit zweitklassigen Immobilienkrediten verspekuliert. Schon im Sommer 2007 übernahm die KfW mögliche Verluste in Milliarden-Umfang. Bislang gab es drei Rettungspakete mit einem Gesamtvolumen von gut acht Milliarden Euro, um die IKB vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Mit rund sechs Milliarden trägt die KfW den Großteil.
Verwaltungsrat überrascht
Die Mitglieder des KfW-Verwaltungsrates seien von der Entscheidung der SPD-Politikerin überrascht worden, hieß es in Kreisen. Schon seit längerem wurde aber darüber spekuliert, dass der im Sommer nächsten Jahres auslaufende Vertrag von Matthäus-Maier nicht verlängert wird.
In Regierungskreisen stand die 62-Jährige wegen des Krisenmanagements der KfW bei der IKB seit Monaten in der Kritik. Matthäus-Maier, langjährige finanzpolitische Sprecherin der SPD, war 1999 in den KfW-Vorstand eingetreten und seit Oktober 2006 Chefin der Staatsbank.
KfW schreibt Milliarden ab
Am Nachmittag gab es zudem Irritationen über ein angebliches neues Milliardenloch bei der IKB: Der FDP-Politiker Jürgen Koppelin, der Mitglied des KfW-Verwaltungsrates ist, sagte nach der Sitzung des Gremiums, aus den Geschäften am US-Immobilienmarkt habe sich ein zusätzlicher Wertberichtigungsbedarf von 1,8 Milliarden Euro ergeben. Er befürchte, dass dies «noch nicht das Ende der Fahnenstange» sei. Die KfW müsse vermutlich jetzt wieder mit Geld einspringen.Die IKB dementierte diese Behauptung. «Wir sehen den genannten Wertberichtigungsbedarf zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht», sagte ein Sprecher der Bank in Düsseldorf. Offenbar liegt eine Verwechslung durch Koppelin vor: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte in Berlin, es sei die KfW, die wegen der Krise bei der IKB für das vergangene Jahr eine Wertberichtigung von rund 1,8 Milliarden Euro vornehmen müsse.
Die IKB-Krise hinterließ bei der KfW im vergangenen Geschäftsjahr tiefe Spuren. Für 2007 weise das Institut einen Konzernverlust von 6,2 Milliarden Euro aus, wie KfW-Verwaltungsratschef Michael Glos (CSU) mitteilte. Für den Einzelabschluss nach Handelsgesetzbuch ergebe sich ein Minus von 1,4 Milliarden Euro. Seit Mitte Januar versucht die KfW, ihre Anteile an der Mittelstandsbank zu veräußern. Angepeilt wird ein Verkauf bis Jahresende. (nz)