07.04.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Discounter Aldi Nord steht unter Verdacht, Gewerkschafter geschmiert zu haben
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wegen der dubiosen Vorgänge bei Siemens sitzt der ehemalige Chef der Gewerkschaft AUB, Schelsky, bereits in Untersuchungshaft. Nun gerät die AUB auch mit ihrer Rolle bei Aldi-Nord ins Zwielicht.
Nach Berichten über heimliche Zahlungen von Aldi Nord an die arbeitgeberfreundliche Betriebsräte-Organisation AUB (Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger) hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Strafanzeige gegen den Lebensmitteldiscounter angekündigt. Dessen Zahlungen an den ehemaligen AUB-Bundesvorsitzenden Wilhelm Schelsky mit dem Ziel, die AUB zu fördern, seien ein Bruch des Betriebsverfassungsgesetzes, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske der «Süddeutschen Zeitung» zufolge. Er sprach von «kriminellen Machenschaften».
Das Betriebsverfassungsgesetz verbiete jegliche einseitige Einflussnahme von Unternehmen auf Betriebsratswahlen. «Dass Aldi sich solcher Methoden bedient, um Gewerkschaftsarbeit zu unterdrücken, lässt Zweifel an der moralischen Integrität der dort Handelnden aufkommen», wird Bsirske zitiert. Er forderte Konsequenzen von der Aldi-Nord-Eigentümerfamilie. Sie müsse sich entweder zu ihrer Verantwortung für das verdeckte AUB-Sponsoring bekennen oder gegenüber den Verantwortlichen in der Unternehmensleitung Konsequenzen ziehen.
Die Supermarktkette habe über eine Essener Anwaltskanzlei Zahlungen an den damaligen AUB-Chef Schelsky geleistet, hatte die Zeitung zuvor berichtet. Mit 120.000 Euro pro Jahr sei so ein Mitarbeiter der AUB finanziert worden, der sich um Aldi-Betriebsräte «gekümmert» habe. Schelsky sitzt im Zusammenhang mit Zuwendungen in Millionenhöhe von Siemens in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth sei bei ihren Ermittlungen wegen der mutmaßlich gesetzeswidrigen Kooperation von Siemens, Schelsky und dessen AUB darauf gestoßen, dass auch Aldi-Nord die Organisation insgeheim gefördert habe. Die Aldi Einkauf GmbH in Essen habe der Zeitung die Zahlungen, die bis 2006 erfolgt seien, bestätigt. (AP/ dpa)