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Drastische Kreditausfälle: 

BayernLB drohen vier Milliarden Euro Schaden

28. Mrz 2008 18:12
Ein Löwe bewacht die Bayrische Landesbank
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Bisher hatte die BayernLB ihre Belastungen aus der Finanzkrise auf 1,9 Milliarden Euro beziffert. Bayerns Ministerpräsident Beckstein befürchtet aber, dass der Betrag mehr als doppelt so hoch liegen könnte.

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) befürchtet bei der BayernLB noch deutlich höhere Belastungen aus der internationalen Finanzkrise, als bisher bekannt. Er halte einen Wertberichtigungsbedarf in Höhe von rund vier Milliarden Euro, wie ihn die Rating-Agentur Moody's schätzte, für möglich, sagte Beckstein dem «Nordbayerischen Kurier».

Bisher hatte die BayernLB ihre Belastungen für das vergangene Jahr auf 1,9 Milliarden Euro beziffert, aber bereits eingeräumt, dass sich für die ersten Monate dieses Jahres weiterer Korrekturbedarf ergeben habe. Beckstein geht nun davon aus, dass der bisher genannte Betrag deutlich übertroffen werden dürfte. Scharfe Kritik an den Äußerungen kam von der Opposition im Bayerischen Landtag aus SPD und Grünen.

Rating-Agentur heizt Spekulationen an

Die Bank will am Donnerstag bei ihrer Bilanz-Pressekonferenz über die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise berichten und wollte am Freitag zu den Äußerungen Becksteins keine Stellungnahme abgeben. Erst am Dienstag hatte die Rating-Agentur, die wegen der Belastungen eine Herabstufung des Finanzstärke-Ratings der BayernLB prüft, die Spekulationen weiter angeheizt. Nach Einschätzung von Moody's könnten sich die bisher bekanntgegebenen Belastungen «mehr als verdoppeln.»

Huber unter Druck

Durch die Milliarden-Belastungen bei der Bank, die je zur Hälfte dem Freistaat und den bayerischen Sparkassen gehört, war Bayerns Finanzminister Erwin Huber (CSU) unter Druck geraten. Noch am Tag vor der Offenlegung der Belastungen hatte er betont, ihm lägen keine belastbaren Zahlen vor. Die Landtags-Opposition bezichtigte ihn deshalb der Lüge und forderte mehrfach seinen Rücktritt. Wegen der Querelen um die Bekanntgabe musste auch der frühere BayernLB-Chef Werner Schmidt seinen Hut nehmen. Seine Nachfolge übernahm der Bankmanager Michael Kemmer, der bisher im Vorstand für Finanzen und Bilanzwesen sowie Steuern und Controlling zuständig war.

Opposition spricht von «dramatischen Dimensionen»

SPD und Grüne warfen der Staatsregierung am Freitag Versagen vor. «Die Tatsache, dass sich die bayerische Landesbank offenbar weit stärker verspekuliert hat, als bisher zugegeben, wird von Ministerpräsident Beckstein erst kurz bevor diese Nachricht ohnehin bekannt wird verschämt eingeräumt», erklärte Grünen-Chef Reinhard Bütikofer. «Die Mischung aus verdrängen und verdrucksen, die da zu Tage tritt, ist atemberaubend.» Ähnlich reagierten die Grünen im Bayerischen Landtag: «Die Krise der Landesbank nimmt dramatische Dimensionen an», erklärte Grünen-Fraktionschef Sepp Dürr. «Und dabei ist offenkundig, dass der Staatsregierung die Bewältigung der Krise völlig aus dem Ruder läuft.»

Auch die bayerische SPD äußerte sich empört zu den Äußerungen Becksteins. «Der Spitze der Staatsregierung genügen offenbar ihre bisherigen Beweise fehlenden Durchblicks und offenkundigen Missmanagements noch nicht», erklärte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Adelheid Rupp. Die Staatsregierung habe «skandalös versagt.» Die SPD werde in dem geplanten Untersuchungsausschuss, der am Tag der BayernLB-Bilanzpressekonferenz offiziell eingesetzt werden soll, «das ganze Ausmaß des regierungsamtlichen Versagens offenlegen», kündigte Rupp an.

Riskante Wertpapiere sollen ausgelagert werden

Unterdessen berichtete die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» unter Berufung auf Finanzkreise, die BayernLB wolle durch die Gründung einer Gesellschaft 20 Milliarden Euro an riskanten Wertpapieren aus ihrer Bilanz auslagern. Dazu wolle die Bank Bürgschaften ihrer Eigentümer, dem Freistaat Bayern und den bayerischen Sparkassen, einholen. Durch die Auslagerung fielen für die Bank keine weiteren Wertberichtigungen mehr in ihrer Bilanz an, hieß es in dem Bericht. Die Auslagerung der Risiken gelte aber als europarechtlich schwierig. (dpa/AP)

 
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