Grünes Licht für Sonderprüfung und Kapitalerhöhung:
Angeschlagene IKB steht ohne Oberaufseher da
28. Mrz 2008 13:48
 |  IKB-Gebäude in Düsseldorf | Foto: dpa |
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Am Ende einer turbulenten Hauptversammlung haben die Aktionäre der angeschlagenen Bank IKB eine Sonderprüfung gebilligt. Der bisherige Aufsichtsratschef wies jede Kritik zurück - wer sein Nachfolger ist, steht in den Sternen.
Nach einer Marathon-Hauptversammlung haben die Aktionäre der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB grünes Licht für eine Sonderprüfung und eine Kapitalerhöhung von 1,5 Milliarden Euro gegeben. Entsprechende Beschlüsse fasste die Hauptversammlung in Düsseldorf mit 82,25 beziehungsweise 99,02 Prozent der Stimmen, wie die IKB am Freitag mitteilte.
Mit der Sonderprüfung wurde die ursprünglich geplante Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat auf Antrag der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bis zur Vorlage eines Gutachtens über eine aktienrechtliche Sonderprüfung vertagt. Die KfW ist mit 43,4 Prozent Großaktionärin der IKB, die durch Fehlspekulationen am US-Hypothekenmarkt in Existenznot geraten war.
Aufsichtsrat kann sich nicht auf Chef einigen
Die KfW will laut einer IKB-Sprecherin mindestens 1,25 Milliarden der 1,5 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung übernehmen. IKB-Chef Günther Bräunig hatte erklärt, die Kapitalerhöhung sei notwendig, damit die Bank wieder gestärkt am Kapitalmarkt auftreten könne.Mitten in der Krise steht der Aufsichtsrat der Bank nun allerdings ohne Führung da: Der bisherige Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann schied turnusgemäß aus, doch der eigentlich als Nachfolger auserkorene Dieter Ammer zog seine Kandidatur für den Vorsitz kurz vor der Hauptversammlung zurück. Ein neuer Kandidat sei bislang nicht gefunden worden, sagte die IKB-Sprecherin und bestätigte damit einen Bericht des «Handelsblatts». Mit Detlef Leinberger sei lediglich ein stellvertretender Aufsichtsratschef bestimmt worden. Das Kontrollgremium solle nun auf seiner nächsten Sitzung den Vorsitzenden wählen. Der genaue Termin steht laut IKB aber noch nicht fest. Ein Sprecher wollte auch keine Namen möglicher Kandidaten nennen.
13 Stunden Hauptversammlung
Die erste Hauptversammlung seit Ausbruch der Finanzkrise war teilweise sehr turbulent verlaufen und dauerte 13 Stunden lang. Der bisherige Aufsichtsratschef Hartmann hatte wegen der Beinahe-Pleite der Bank heftige Kritik einstecken müssen. Franz-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagte, es sei unbegreiflich, wie eine einst so grundsolide Bank für den Mittelstand derart habe verzockt werden können. «Die Milliarden sind weg und jetzt will es keiner rechtzeitig gemerkt haben.» Norbert Vowinkel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sagte: «Wir stehen vor einem Milliardengrab, das ist die bittere Wahrheit.»
In seiner Rede wies Hartmann jede Verantwortung des Aufsichtsrats für die Milliarden-Verluste des Instituts am US-Hypothekenmarkt zurück. «Die Krise hat uns ebenso überrascht wie Sie», sagte Hartmann vor den rund 1000 Aktionären.
Kapitalspritzen in Milliardenhöhe
Seit Sommer vergangenen Jahres brauchte die IKB vom Bund immer wieder Kapitalspritzen in Milliardenhöhe, nachdem der Vorstand lange behauptet hatte, die Risiken aus der US-Hypothekenkrise bewegten sich im einstelligen Millionenbereich. Mit mehreren Rettungspaketen von mehr als acht Milliarden Euro haben KfW, Bund und Banken das Düsseldorfer Institut vor dem Zusammenbruch bewahrt. Die wichtigsten Anteilseigner wollen sich inzwischen von ihren Aktienpaketen trennen. Auch der Bund will die Anteile, die er über die KfW an der Bank hält, verkaufen. (AP/dpa)