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Bewegung im Finanzsektor: 

Allianz schmiedet neuen Bankriesen

28. Mrz 2008 12:20, ergänzt 16:43
Im Mittelpunkt der Planspiele: die angeschlagene Dresdner Bank
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Schon seit langem ist Konsolidierung das große Thema in der deutschen Bankbranche. Das jüngste spekulierte Szenario wäre allerdings ein enormer Schritt: eine Dreierallianz - die einige Fragen aufwirft, wie Matthias Breitinger berichtet.

Noch klingen die Überlegungen nach Planspielen am Reißbrett – doch sollten sie Wirklichkeit werden, würde das eine gewaltige Verwerfung in der deutschen Bankenlandschaft bedeuten: Dem Vernehmen nach erwägt der Allianz-Konzern ein Dreierbündnis seiner Tochter Dresdner Bank mit der Commerzbank und der Postbank. Über einen solchen «großen Wurf» werde in der Branche gesprochen, berichtete die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» am Freitag ohne Angabe von Quellen.

In anderen Berichten ist sogar von noch weiter gehenden Überlegungen die Rede. Das Dreier-Szenario klingt durchaus interessant – schließlich gilt die Allianz früheren Berichten zufolge als Favorit im Rennen um die Postbank, deren Verkauf nach Einschätzung von Branchenbeobachtern schon in diesem Jahr kommen könnte. Allerdings stehen die Pläne dafür noch ganz am Anfang, derzeit sondiert die damit befasste Investmentbank Morgan Stanley nur inoffiziell. Die Mehrheit an der Postbank hält derzeit noch die Deutsche Post AG. Postbank-Chef Wolfgang Klein drängt indes auf eine rasche Lösung.

Sorgenkind Dresdner Bank

Rasch möchte wohl auch die Allianz einen klaren Schnitt machen. Der erste Schritt ist gemacht: Mit der Aufspaltung der Dresdner Bank in eine Investmentsparte und den Privat- und Geschäftskundenbereich hat der Versicherungskonzern die Spekulationen über die Konsolidierung des deutschen Bankenwesens neu entfacht. «Allerdings mit einem Unterschied: Die Allianz hat aus der Übernahme der Dresdner Bank gelernt und viel Lehrgeld gezahlt», sagte der Bankenanalyst der Privatbank Merck Finck, Konrad Becker, der Netzeitung.

Die Allianz, die vor sieben Jahr die Dresdner Bank für rund 23 Milliarden Euro gekauft hat, hat sich damit ein Sorgenkind ins Haus geholt: In den Folgejahren belastete die Tochter ihre Konzernmutter mit teils hohen Verlusten. Zwar kam die Dresdner auch über einen Stellenabbau wieder auf Kurs, im vergangenen Jahr wurde sie aber wie andere Banken von der Finanzkrise getroffen und musste eine Milliarden-Abschreibung verkraften. Der operative Gewinn der Dresdner halbierte sich so 2007 auf nur noch 730 Millionen Euro. Der Konzern wisse, dass es ein «Weiter so» nicht geben kann, so Becker.

Die Lösung könnte der «FAZ» nach wie folgt aussehen: Die Allianz bringt die Dresdner als Sacheinlage in die Commerzbank ein. Das so neu formierte Institut würde mit der Allianz als Großaktionär anschließend eine Mehrheit an der Postbank erwerben. «In dem jetzt diskutierten Modell würde die Commerzbank bestehen bleiben, die Dresdner Bank verschwände. Die Postbank als drittes Institut im Bündnis würde als Zweitmarke weitergeführt», beschreibt Becker das Konstrukt.

Kostenpotenziale, also Stellenabbau

Dadurch würde eine zweite große Bankenmacht neben der Deutschen Bank und zugleich die mit mehr als 26 Millionen Kunden größte deutsche Filialbank entstehen. «Das Dreierbündnis hätte den Charme, eine konsequente Lösung zu sein», meint der Merck-Finck-Experte. «Es wäre ein sehr weit gehender Schritt, der die Grundlage für einen Global Player schaffen würde, von dem die Bundesregierung bekanntermaßen auch träumt. Das Dreierbündnis hätte eine relevante Größe für eine international bedeutende Rolle.» Für die Commerzbank wäre das Dreier-Bündnis auch von Vorteil: Bei einem Verbund nur aus Dresdner und Postbank könnte die Coba ansonsten zwischen dem Zweierbündnis auf der einen und Deutscher Bank auf der anderen Seite zerrieben werden.

Was ebenfalls für die Lösung spricht: Bei einem Zusammenlegen von Dresdner und Commerzbank würden «erhebliche Kostenpotenziale» freigesetzt, so Becker, die Zahl der Filialen würde reduziert. Mit dem Dreierbündnis würden aber zugleich zwei Hauptverwaltungen überflüssig werden. Der Zusammenschluss liefe also auf Stellenabbau hinaus.

Zentrale der Postbank in Bonn
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Außerdem hätte die Allianz Zugriff auf die sehr gut zu ihr passenden Kunden der Postbank, die eher dem Massensegment zuzurechnen sind. Allerdings: Der Versicherer könnte seine Policen über die Filialen der Postbank sowie der Commerzbank nicht so ohne weiteres verkaufen, so die «FAZ». Die Postbank sei exklusiv und langfristig an Talanx und HUK-Coburg gebunden, die Commerzbank an AMB Generali. Die Konkurrenten müssten folglich von der Allianz teuer ausgekauft werden.

Das wäre nicht der einzige Kostenblock. Die Kosten der Dreier-Lösung seien höher als bei der Variante «Bank A kauft die Postbank», sagte Becker. Bei letzterer fielen neben dem Kaufpreis die Integrationskosten an, «aber mehr passiert nicht». Eine Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank wäre auf jeden Fall teurer.

Und das Investmentbanking?

Eine weitere Frage, die Becker bei dem Dreierbündnis stellt: Was passiert mit dem Investmentbanking der Dresdner Bank? Zuletzt gab es Spekulationen, der Staatsfonds der Volksrepublik China hege Interesse. Es gebe intensive Verhandlungen zwischen der chinesischen Kapitalsammelstelle China Investment Corporation (CIC) und der Allianz, berichtete die «Süddeutsche Zeitung» unter Berufung auf Branchenkreise. Das «Manager-Magazin» schrieb, ein Geldinstitut aus China interessiere sich für das Investmentbanking und die Großkundensparte der Dresdner Bank.

Becker sieht diese Geschichte mit Skepsis: «Ich zweifle an einer Übernahme aus China.» Auch in Konzernkreisen hält man diese Berichte schon aus politischen Gründen für wenig plausibel. Die Allianz dürfte ohnehin Probleme haben, einen Käufer für die unrentable Investmentsparte Dresdner Kleinwort zu finden. Laut «FAZ» scheiterten Verhandlungen mit dem auf die Finanzbranche spezialisierten US-Beteiligungsfonds JC Flowers an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Merck-Finck-Analyst Becker hält ohnehin wenig davon - sollte das Dreierbündnis wirklich angestrebt werden -, das Investmentbanking abzustoßen: «Ohne Investmentbanking kann man kein Firmenkundengeschäft betreiben.»

Spekulationen über «Super-Bank» aus vier Instituten

Derweil brodelt es weiter in der Gerüchteküche: Wie der «Stern» in seiner Online-Ausgabe unter Berufung auf «Spitzenkreise der Finanzwirtschaft» berichtet, wird dort über die Bildung einer «Super-Bank» nachgedacht. Hier käme zu den drei oben genannten Instituten sogar noch die Deutsche Bank hinzu. Damit entstünde ein «Global Player» mit mehr als 40 Millionen Kunden. Wegen schwieriger Fusionsverhandlungen könnte diese Riesenbank aber voraussichtlich erst im Jahr 2009 gegründet werden - was angesichts der im Zuge der Fusion bedrohten Arbeitsplätze im Wahljahr zu einer politischen Belastung werden könnte.

Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte zu den Überlegungen keinen Kommentar abgeben. Bei Allianz und Commerzbank hieß es laut «Stern», das Projekt sei aus Sicht der Deutschen Bank nahe liegend, da sich am Bankenmarkt eine Situation entwickelt habe, die die Bildung einer solchen Großbank möglich erscheinen lasse. Interessen der Allianz, die über die Dresdner Bank ihre Versicherungen vertreibt, stünden dem jedoch entgegen. Kartellrechtliche Probleme erwarten die Anhänger der Fusionsidee nicht, wie das Magazin weiter ausführt. Die Superbank käme in Deutschland zwar auf einen hohen Marktanteil. Ein funktionierender Wettbewerb sei wegen der im Kundengeschäft breiter verankerten Sparkassen und Volksbanken aber gesichert.

 
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