Skandal beim Discounter: Lidl kann Bespitzelungs-Vorwurf nicht entkräften26. Mrz 2008 15:16  |  Mitarbeiter von Kameras überwacht: Discounter Lidl | Foto: dpa |
|
Kameras sollten klären, ob Mitarbeiter sich am Sortiment des Discounters bereichern. Dass die dabei gewonnenen Erkenntnisse auch anderweitig verwendet wurden, weist das Unternehmen zurück. Dennoch wollen Politiker die Vorfälle untersuchen.
Der Lebensmitteldiscounter Lidl hat den Vorwurf der Bespitzelung seiner MItarbeiter zwar entschieden zurückgewiesen und die im Magazin «Stern» skizzierten Vorwürfe und Feststellungen als unvereinbar mit den Firmenprinzipien bezeichnet. Geschäftsleitungsmitglied Jürgen Kisseberth räumte aber ein, das Unternehmen arbeite mit Kameraanlagen, um Diebstähle aufzuklären und Inventurverluste zu vermeiden.
Dabei könnte eine Bespitzelung möglich gewesen sein. «Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass es dazu Aufträge gegeben hat», sagte Kisseberth. 2007 habe es in acht Prozent der deutschen Filialen besonders auffällige Inventurdifferenzen gegeben. Deshalb habe Lidl in diesen Filialen für einen begrenzten Zeitraum mit Detekteien zusammengearbeitet. «Aufgabe der Detekteien war es, in den Filialen zusätzliche Erkenntnisse zur Aufklärung von Diebstählen zu gewinnen», so Kisseberth. Die in diesem Zusammenhang über den Aufgabenbereich hinaus festgehaltenen Informationen seien zu keiner Zeit in irgendeiner Weise verwertet worden.
Ganz gleich, wie die Rechtfertigung Lidls ausfällt: Nach Bekanntwerden der Vorfälle hat nun das baden-württembergische Innenministerium angekündigt, sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte: «Der Sachverhalt muss aufgeklärt werden.» Auch die Gewerkschaft Verdi zeigte sich besorgt. Verdi-Sprecher Achim Neumann ist laut »Stern«-Bericht »zwar einiges gewohnt von Lidl«, von solch einer systematischen Mitarbeiterüberwachung aber habe er noch nie gehört. «Diese Dimension ist mir völlig neu.» (nz/AP/dpa)
|