Umfrage in Unternehmen:
Topmanager befürworten Lohnerhöhungen
17. Mrz 2008 16:07
 |  Ob auch Deutsche Bank-Chef Ackermann höhere Löhne befürwortet? | Foto: dpa |
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Angestellte, die über ein höheres Gehalt verhandeln wollen, finden derzeit ein offenes Ohr bei ihrem Arbeitgeber. Einer Studie zufolge wollen Führungskräfte die Mitarbeiter am Aufschwung beteiligen.
Gute Nachrichten für Arbeitnehmer: Nach Jahren, in denen sie Lohnzurückhaltung forderten, zeigen sich die deutschen Führungskräfte erstmals wieder mehrheitlich offen für ordentliche Gehaltssteigerungen.
Rund 61 Prozent von ihnen plädierten im jüngsten, am Montag veröffentlichten «Elite-Panel» des Wirtschaftsmagazins «Capital» dafür, die Mitarbeiter über höhere Löhne am Aufschwung teilhaben zu lassen. Nur 35 Prozent sprachen sich dafür aus, an der Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre festzuhalten. Nach Überzeugung des Wirtschaftsmagazins dürfte der Sinneswandel an höheren Tarifabschlüssen ablesbar werden. Für die Untersuchung hatte das Allensbach-Institut Ende Februar und Anfang März 637 Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung befragt. Dabei zeigten sich allerdings einige Unterschiede zwischen den Gruppen: Aus der Wirtschaft hatten nur 51 Prozent der Befragten ein offenes Ohr für höhere Löhne, aus der Politik dagegen 82 Prozent.
Managerbezahlung angemessen
Überraschend einig zeigten sich die Spitzen von Wirtschaft und Politik dagegen im Urteil über die deutschen Managergehälter: Trotz der hitzigen öffentlich Debatte halten drei Viertel der Führungskräfte (73 Prozent) deren Bezahlung für angemessen. Das sind deutlich mehr als vor drei Jahren (68 Prozent). Nur jeder fünfte findet die Managergehälter zu hoch. Dies zeuge von gewachsenem Selbstbewusstsein, sagte der stellvertretende «Capital»-Chefredakteur, Carsten Prudent. Dennoch sind 54 Prozent der Wirtschaftslenker gegen eine vollständige Offenlegung der Managergehälter. Anders als Bundeskanzlerin Angela Merkel glauben zwei Drittel von ihnen nicht, dass die Debatte «eine positive Wirkung hat und zu einem erhöhten Problembewusstsein führt». Sie halten die Diskussion im Gegenteil eher für schädlich, weil dadurch Gräben aufgerissen würden (66 Prozent).
Ansehensverlust durch Steueraffäre
Die Führungskräfte befürchten, dass auch die Liechtensteiner Steueraffäre dem Ruf von Topmanagern schadet. «Anstand und Moral in der Wirtschaft sind weniger wichtig geworden», urteilte jeder zweite Politiker und jeder dritte Spitzenmanager. Insgesamt 84 Prozent der Befragten waren der Ansicht, dass die prominenten Fälle von Steuerhinterziehung eine managerfeindliche Stimmung ausgelöst oder verstärkt hat.«Das Vertrauen der Bürger in die Eliten von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ist massiv gesunken», erklärte auch der Präsident des Wirtschaftsrates der CDU, Kurt Lauk. Der gesellschaftliche Zusammenhalt stehe vor einer dramatische Zerreißprobe. Bei einem Forum zum Thema «Marktwirtschaft und Ethik» mit der Konrad-Adenauer-Stiftung forderte der Wirtschaftsrat deshalb einen «Dialog der Eliten».
Positive Konjunkturerwartungen überwiegen
In den Chefetagen überwiegen trotz der Finanzkrise weiterhin die positiven Wachstumserwartungen. Der Umfrage zufolge erwarten nur 28 Prozent der Führungsspitzen einen Abwärtstrend. 36 Prozent gehen dagegen davon aus, dass es mit der Konjunktur weiter aufwärts geht. 79 Prozent der Topmanager berichteten von einer «sehr guten» oder «guten» Auftragslage ihres Unternehmens. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten sind nach Einschätzung der Führungskräfte aber noch nicht ausgestanden. Auch wenn 60 Prozent der Spitzenmanager überzeugt sind, dass die deutsche Wirtschaft durch die Finanzkrise weniger stark oder gar nicht betroffen ist, sind sich 70 Prozent darüber einig, dass den Banken die gravierendsten Auswirkungen noch bevorstehen. (Uta Winkhaus, AP)