Strategiewechsel in Redmond: 

netzeitung.deMicrosoft will Software-Geheimnisse lüften

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Bisher hütet der Software-Konzern Microsoft nahezu alle grundlegenden Daten zu seinen Programmen als riesige Geheimnisse. Doch nun kündigte das Unternehmen eine neue Politik der Offenheit an.

Der US-Konzern Microsoft hat eine transparentere Informationspolitik angekündigt, um eine Zusammenarbeit mit konkurrierenden Software-Entwicklern zu erreichen. Das Unternehmen mit Sitz in Redmond im Staat Washington teilte am Donnerstag mit, es werde künftig technische Informationen über seine Software-Produkte kostenlos auf seiner Website veröffentlichen. Auf diese Weise wolle man es Konkurrenten erleichtern, Produkte zu entwickeln, die mit dem Microsoft-Betriebssystem Vista kompatibel seien.

Als erfolgreich hat sich diese Strategie in der Vergangenheit für den Internetgiganten Google erwiesen, der Programmierer zur Entwicklung von Zusatzfunktionen für interaktive Landkarten und andere Dienste ermutigte. Google betreibt die mit Abstand erfolgreichste Suchmaschine im Internet, was Microsoft kürzlich schon zu seinem Übernahmeangebot für Yahoo veranlasste.

EU-Kommission skeptisch
Die EU-Kommission, die von Microsoft wiederholt die Offenlegung sogenannter Schnittstellen-Codes seiner Betriebssysteme gefordert hat, reagierte skeptisch auf die Ankündigung aus Redmond. Man habe schon vier derartige Erklärungen des US-Konzerns gesehen, erklärte die oberste europäische Wettbewerbsbehörde in einer Pressemitteilung. Die Kommission wolle nun prüfen, wie weit Microsoft seinen Konkurrenten tatsächlich entgegenkomme.

Die Kommission hatte im Januar gegen Microsoft zwei neue Verfahren eingeleitet. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob der Konzern Konkurrenten Informationen vorenthalten hat, die zur Entwicklung von mit Microsoft-Software kompatiblen Programmen benötigt werden. In einem ersten Verfahren dieser Art hatte die Kommission im vergangenen Jahr vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) durchgesetzt, dass Microsoft die Informationen preisgeben musste.

Microsoft-Chef Steve Ballmer sagte, die Initiative des Konzerns umfasse vier Bereiche: Microsoft werde künftig offene Verbindungen gewährleisten, die Übertragbarkeit von Daten vorantreiben, Industrie-Standards umfassend unterstützen sowie sich offener mit den Anforderungen der Kunden und der gesamten Branche auseinandersetzen. Dies schließe auch die Open-Source-Gemeinschaft mit ein, die Microsoft bislang als Wettbewerber bekämpft hatte.

«Signifikante Erweiterung der Tranzparenz»
«Diese Bewegungen sehen wir als wichtigen Schritt an. Sie zeigen einen signifikanten Wechsel, wie wir Informationen über unsere Produkte und Technologien mit anderen teilen», sagte Ballmer. Microsoft gehe diesen Weg aus eigenen Stücken. Zwar habe sein Unternehmen auch in den vergangenen 33 Jahren mit Kunden und Partnern Informationen ausgetauscht und dabei eine ganze Industrie aufgebaut. «Die heutige Ankündigung steht aber für eine signifikante Erweiterung unserer Transparenz.» Microsoft werde für diese Informationen keine Lizenzgebühren verlangen.

Microsoft-Justiziar Brad Smith machte in einer Telefonkonferenz klar, dass sein Unternehmen mit dem angekündigten Strategiewechsel auch einen Schlussstrich unter die Wettbewerbsverfahren in der EU ziehen möchte. «Wir sind jetzt auf die Antwort aus Brüssel sehr gespannt», sagte Smith.

Dem Branchenverband ECIS zufolge, dem Wettbewerber wie Opera, RealNetworks oder Sun Microsystems angehören, ist es zu früh zu sagen, ob die angekündigten Maßnahmen tatsächlich einen Strategiewechsel von Microsoft bedeuten. Es sei auch nicht abzusehen, ob der Vorstoß den Konzern dazu führe, dass die EU-Wettbewerbsregeln künftig eingehalten würden, hieß es.

Microsoft-Jurist Smith betonte, die angekündigte Öffnung bedeute nicht, dass Microsoft seine grundsätzliche Position zum Urheberrecht oder dem Schutz geistigen Eigentums durch Patente aufgeben werde. Ballmer sagte, Microsoft werde auch in Zukunft bestimmte Betriebsgeheimnisse schützen und vermarkten. (dpa/AP)