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Fabrikverlagerung : 

Kampf ums Nokia-Werk in Bochum

21. Feb 2008 16:20
Demonstration vor dem Nokia-Werk in Bochum
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Nokia steht in Deutschland heftig in der Kritik: Der Konzern will statt in Bochum nun in Osteuropa produzieren. Die Netzeitung gibt einen Überblick über das, was auf diese Ansage folgte.

Seitdem der finnische Handyhersteller Nokia Mitte Januar die Schließung seines deutschen Werks in Bochum bekannt gegeben hat, schweben die 2300 Mitarbeiter zwischen der Hoffnung auf eine weitere Zukunft für den Standort und der Angst vor Arbeitslosigkeit. Betroffen sind zudem knapp 2000 Beschäftigte von Zulieferern sowie Leiharbeiter.

Bei mehreren Demonstrationen machten die Betroffenen ihrem Ärger Luft. Sie sind vor allem wütend, weil in ihren Augen das Werk hochprofitabel ist und es keinen Grund gebe, die Fabrik dichtzumachen. Nokia hat alle Vorschläge von Seiten der IG Metall und des Betriebsrats zur Fortsetzung der Produktion in Bochum abgelehnt – der Bochumer Betriebsrat hatte dem Management unter anderem vorschlagen, mit 14 Millionen Euro Investitionen in neue Produktionslinien die Arbeitskosten in Bochum insgesamt zu senken.

Nokia will indes die Fertigung nach Ungarn und Rumänien verlagern. Die endgültige Entscheidung wird auf der Aufsichtsratssitzung Ende Februar erwartet. Das Konkurrenzwerk im rumänischen Jucu ist allerdings bereits eingeweiht worden. Für die Pläne erntete Nokia auch scharfe Kritik seitens der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hielt Nokia vor, als «Subventions-Heuschrecke» zu agieren, die lediglich staatliche Beihilfen abgreife und nach Ablaufen der vereinbarten Fristen zur Standortbindung das Werk wieder schließe und an billigere Standorte weiterziehe.

Das NRW-Wirtschaftsministerium warf Nokia zudem vor, nicht die vertraglich vereinbarte Zahl von Arbeitsplätzen in Bochum geschaffen zu haben, und forderte die Rückzahlung von Subventionen. Die Finnen weisen den Vorwurf zurück: Man habe die Bedingungen «sogar übertroffen», heißt es in Helsinki. In die Kritik geriet dabei auch die frühere rot-grüne NRW-Landesregierung. Bereits der damalige Wirtschaftsminister Harald Schartau (SPD) soll seit 2001 gewusst haben, dass Nokia weniger Mitarbeiter als zugesagt beschäftigte.

Nokia und das Land NRW haben beschlossen, in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe nach «innovativen Lösungen» für die betroffenen Beschäftigten zu suchen. Gesprochen werden soll über einen Interessenausgleich, Weiterbildungsmaßnahmen für Mitarbeiter und eine Transfergesellschaft. Womöglich wird das Werk zerlegt: Medienberichten zufolge gibt es einen Interessenten für die Software-Sparte. (nz)

 
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