Ölkonzerne stoßen an Grenzen des Wachstums
Auch Chevron verdiente gut: Der Überschuss stieg in den letzten drei Monaten des Jahres 2007 um 29 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar. Der Umsatz kletterte um 29 Prozent auf 61,4 Milliarden Dollar. Royal Dutch Shell hatte am vorigen Donnerstag für das vierte Quartal einen Gewinnsprung um 60 Prozent auf 8,47 Milliarden Dollar gemeldet. Der Umsatz legte von 75,5 auf 106,7 Milliarden Dollar zu.
Die Ölpreise waren Ende vergangenen Jahres auf Rekordhöhen gestiegen. Am 3. Januar hatte der Preis für ein Barrel (159 Liter) US-Rohöl mit 100,09 Dollar ein Allzeithoch erreicht. Inzwischen haben die Kurse aber deutlich nachgelassen: Am Freitag lag der Preis bei 88,52 Dollar je Barrel. Der Marktpreis sei in den vergangenen Monaten deutlich stärker gestiegen als die Produktionskosten, sagte Auer.
Dies liegt unter anderem daran, dass die Öl- und Gasreserven in den traditionellen Förderländern nachlassen, während der Zugang zu neuen Quellen schwieriger wird. «Die Kapazitäten für die Förderung unter dem Meer sind extrem niedrig, hier fehlt es schlicht an Tankern», erläutert Auer. «Zudem braucht die Offshore-Exploration bis zur eigentlichen Förderung einige Jahre, und darin haben die Konzerne in den vergangenen Jahren zu wenig investiert, weil vor zehn Jahren der Ölpreis noch bei zehn Dollar lag und sich die Offshore-Förderung kaum rechnete.» Jetzt räche sich, dass man in den vergangenen Jahren wegen des niedrigen Ölpreises zu wenig unternommen hat.
Doch auch an Land ist die Erschließung von Vorkommen für die Konzerne schwieriger geworden etwa in nationalistisch denkenden Ländern wie Venezuela oder Russland, die sich die Gewinne aus ihrem Ölreichtum selber sichern wollen. «Die Claims sind vielfach abgesteckt», sagt Deutsche-Bank-Experte Auer. Dort würden häufig westliche Konzerne herausgedrängt, zugunsten nationaler Unternehmen.
Zudem hätten Schwellenländer wie Indien und China erkannt, wie entscheidend die sichere Energieversorgung für ihr Wirtschaftswachstum ist, fügte Auer hinzu. «Damit sind sie auch bereit, relativ hohe Prämien zu zahlen, um sich unabhängiger von externen Konzernen zu machen.» Auers Beispiel: Im Golf von Guinea vor der Küste Kameruns und Nigerias werden große Ölfelder vermutet, und viele Explorationsrechte sind bereits versteigert. «Dort sind bereits unter anderem chinesische, brasilianische und arabische Unternehmen vor Ort. Es wird also für die großen Ölkonzerne aufgrund der wachsenden Konkurrenz teurer, an freie Claims heranzukommen.»
Auffällig finden Beobachter vor diesem Hintergrund, wie viel Geld die Konzerne gerade eben nicht in die Erschließung neuer Vorkommen stecken, sondern in Aktienrückkauf-Programme. Shell gab dafür im vergangenen Jahr mehr als vier Milliarden Dollar aus. Exxon kaufte eigene Aktien im Volumen von 28 Milliarden Dollar zurück. «Das ist sicherlich ein Beleg dafür, dass sie offensichtlich keine lukrativeren Alternativen gesehen haben, etwa die Investition in ein günstiges Fördergebiet», meint Auer. «Also haben sich die Unternehmen dafür entschieden, Liquidität lieber im eigenen Unternehmen zu parken.»
Die Unternehmen hielten sich selbst offenbar für unterbewertet. Ein Aktienrückkauf treibt üblicherweise den Kurs nach oben «das kommt den Anlegern entgegen und macht das Unternehmen zugleich weniger anfällig für feindliche Übernahmen», so Auer. Kritischer sieht Expertin Amy Myers Jaffe von der Rice University in Houston (Texas) die immensen Aktienrückkäufe: Diese sähen aus wie eine «teilweise Geschäftsauflösung», kommentiert sie im «Wall Street Journal». Die westlichen Ölmultis akzeptierten jetzt, dass sie in der Energiewelt der Zukunft eine kleinere Rolle spielten.

