Spielwarenbranche setzt auf Lerneffekt
06. Feb 2008 16:04
 |  Der kleine Flitzer wird durch Solarzellen betrieben | Foto: dpa |
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Eisbärenbabys zum Kuscheln und Minimotoren in Lego-Steinen sind der neueste Hit. Auf der Nürnberger Spielemesse präsentieren deutsche und internationale Hersteller ihre Ideen fürs Kinderzimmer.
Die Zukunft beginnt im Kinderzimmer: Mit der Premiere des ersten wasserstoffbetriebenen Serienautos in Nürnberg ist die Spielwarenbranche der Automobilindustrie einen großen Schritt voraus. Der Treibstoff für den ferngesteuerten, aerodynamisch geformten «H2Go» wird mittels Elektrolyse an der «Hydrogen Station» erzeugt, die Energie dafür liefert eine Solarzelle. Der kleine Flitzer, den der Designer Luigi Colani für den Spielwarenhersteller Corgi International entworfen hat, war am Mittwoch eines der Highlights auf der Neuheiten-Schau zum Auftakt der 59. Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg.
Spieleklassiker in neuer Aufmachung, technische Innovationen und Lernspiele standen im Mittelpunkt. «Lernen und Spielen ist für Kinder dasselbe», sagte der Lern-Psychologe und Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm, Manfred Spitzer. Gutes Spielzeug sollte alle Gehirnregionen ansprechen. Kinder lernten ganzheitlich, betonte Spitzer: «Sie nehmen die Welt mit allen Sinnen wahr.»
Klassiche Brettspiele laufen gut
«Spielend Lernen» lautet denn auch das das Motto der weltgrößten Spielwarenmesse, auf der bis zum 12. Februar rund 2700 Aussteller ihre Produkte präsentieren. Erstmals werden Lernspiele auf einer Sonderfläche präsentiert.
Zur Spielwarenmesse präsentiert der Berliner Schmidt Spiele-Verlag «Mensch ärgere dich nicht» in einer nachgeahmten Packung von 1920, mit abgestoßenen Ecken und Kanten. Damit soll die Spieletradition in Deutschland deutlich gemacht werden. Schmidt hat im vergangenen Jahr leicht an Umsatz verloren. Die Erlöse sanken von 32,5 auf 29,5 Millionen Euro, wie Geschäftsführer Axel Kaldenhoven am Mittwoch in Nürnberg berichtete. Allerdings habe das Spiel «Thurn und Taxis» als «Spiel des Jahres 2006» damals für einen Sondereffekt gesorgt, schränkte er ein.
Mirkochips im Kinderzimmer
Der Verlag habe seine Position als Nummer drei auf dem deutschen Spielemarkt stabilisiert. Das Spiele-Segment solle weiter ausgebaut werden, kündigte Kaldenhoven an. Daneben habe sich der Verlag hin zu einem Marketingunternehmen entwickelt, das Entwicklungs-, Fertigungs- und Vertriebsleistungen auch für andere erbringe.Die Digitalisierung des Kinderzimmers kommt immer schneller voran. Mikrochips rüsten Spielzeuge zu «Embedded Systems» mit vielfältigen Funktionen hoch: Soundmodule bringen die Glocken in der neuen Playmobil-Kirche zum Läuten, Minimotoren machen Lego-Steinen Beine, Bälle mit eingepflanztem Sprachcomputer übermitteln Anweisungen, welchem Mitspieler die Kugel als nächstes zugespielt werden soll, und Miniaturautos werden mittels Infrarot-Schnittstelle und Fernsteuerung in Bewegung gesetzt.
Märklin wieder im Aufwind
Märklin zeigt das Videoübertragungssystem Mobile Vision, mit dem der Modelleisenbahner seine Anlage aus der Perspektive des Lokführers sehen kann. Zwei Jahre nach der Übernahme durch den Finanzinvestor Kingsbridge Capital hat der Modellbahnhersteller Märklin ein Rekordauftragspolster für das laufende Jahr verkündet. Unmittelbar vor Eröffnung der Nürnberger Spielwarenmesse sprach Axel Dietz, der Vorsitzende der Geschäftsführung, am Mittwoch von «neuer Umsatzdynamik» des Unternehmens. 2007 habe der Jahresumsatz auf 126 Millionen Euro «leicht ausgebaut» werden können. Allein im Januar habe der Göppinger Hersteller seinen Umsatz auf 6,4 Millionen Euro gesteigert, was einem Plus von 56 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspreche.«Wir gehen zuversichtlich ins Jahr 2008 und haben uns ehrgeizige Ziele in Marktanteil, Innovationen und Kundenzugewinn gesetzt», erklärte Dietz. 2007 bezeichnete er als «Jahr der operativen Neuausrichtung, in dem wir das Unternehmen effizienter und wettbewerbsfähiger aufgestellt haben». Das Investitionsbudget von derzeit zwölf Millionen Euro solle weiter aufgestockt und die Vertriebskanäle modernisiert und ausgebaut werden. Im Dezember eröffnete Märklin einen «Flagship Store» in Moskau. In diesem Jahr sollen weitere Märkte mit solchen Ländern ausgestattet werden.
Seifenkisten und andere Fahrzeuge
Das Unternehmen, das im vergangenen Jahr den insolventen Nürnberger Gartenbahnhersteller LGB und den kleinen Spur-1-Hersteller Hübner erworben hatte, ist laut Dietz «weiterhin auf der Suche nach sinnvollen Ergänzungen und denkt an weitere Zukäufe». Auf der Messe präsentiert Märklin neben der rekordverdächtigen Zahl von rund 500 Modellbahn-Neuheiten seit langer Zeit erstmals wieder eine Produktlinie außerhalb der Eisenbahnwelt: «Spy Tec» ist ein neues Spielzeugkonzept mit Hochtechnologie-Anwendungen «aus der geheimen Welt der Agenten und Detektive», wie es in einer Firmenmitteilung hieß.Der holländische Kinderfahrzeug-Hersteller Bergtoys lässt die gute alte Seifenkiste hochleben: Der Bausatz «Moov» ermöglicht es Kindern ab sechs Jahren, vier verschiedene Fahrzeugmodelle - vom Roller über ein Trike bis hin zum Go-Car - zusammenzustecken. Zwei Spielzeuge in einem vereint der rosafarbene BIG-Camper aus dem Hause Simba-Dickie: Der abnehmbare Sitz des in Gestalt eines Hymer-Mobils daherkommenden Rutscherfahrzeugs gibt den Weg frei zum puppentauglichen Wohnmobil.
Bei den Lizenzthemen läuft Eisbär-Baby Flocke gerade zur Hochform auf: «Eisbär Flocke - mein erstes Abenteuer» heißt das brandneue Spiel aus dem Nürnberger Noris-Verlag, das bereits Ende Februar in die Läden kommen soll. Flocke und der Berliner Eisbär Knut spielen auch im Programm des Steckspielzeug-Produzenten Ministeck eine Hauptrolle. Steiff wartet vorerst mit Knut in siebenerlei Variation auf - doch auch die Designer des Plüschtierherstellers studieren derzeit schon intensiv alle verfügbaren Fotos von Flocke. (Thomas Meiler/ dpa/ AP)