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Microsoft erbost Yahoos Web-2.0-User

06. Feb 2008 07:01
Flickr-User äußern in satirischen Fotos ihren Ärger über die geplante Yahoo-Übernahme durch Microsoft.
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Mit dem Zukauf von Yahoo würde Microsoft viele Internet-User erreichen, vor allem auf so genannten Social Sites. Doch deren Nutzer sind nicht allesamt erfreut darüber - auf der Fotoseite Flickr laufen Gegner Sturm.

Bei Web-2.0-Angeboten und im Suchmaschinen-Business spielte Microsoft bislang kaum eine Rolle. Jahrelang versuchte der Softwarekonzern vergebens, dem Erzrivalen Google im Netz aus eigener Kraft Paroli zu bieten. «Windows Live» hieß das Zauberwort – das indes kaum zündete. «Live Search», die Suchmaschine von Microsoft, kommt weltweit gerade einmal auf einen Marktanteil von 3,5 Prozent, wie das Marktforschungsinstitut Comscore herausfand. Zum Vergleich: Die Google-Suchmaschine ist dominanter Marktführer mit 66 Prozent.

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Auch sonst fallen einem kaum nennenswerte Online-Angebote von Microsoft ein. Am erfolgreichsten ist der Konzern hier zumindest mit webbasierter E-Mail («Hotmail») und Sofort-Nachrichten, dem so genannten «Instant Messaging». Ansonsten ist der Konzernname Synonym für Betriebssysteme wie Windows und Office-Software wie Word oder Excel.

Vor allem bei Web-2.0-Angeboten spielt Microsoft keine große Rolle. Nicht ohne Grund stieg der Konzern vergangenes Jahr mit 1,6 Prozent bei Facebook ein und zahlte dafür die stolze Summe von rund 240 Millionen Dollar. Jetzt soll es ein noch gewaltigerer Zukauf richten: Microsoft bietet rund 45 Milliarden Dollar für Yahoo. Dass es dabei nicht um einen Angriff auf die Google-Suchmaschine geht, ist klar: Selbst mit Yahoo zusammen ist der Marktführer uneinholbar.

Flickr-User empört

Doch Reichweiten werden im Netz zunehmend mit nutzergeneriertem Content erzielt – die Werbebranche erhofft sich bei Communities wie Facebook ein zielgenaueres Platzieren von Werbung. Hier hätte Microsoft bei einer geglückten Übernahme von Yahoo deutlich hinzugewonnen. Denn zum Yahoo-Portfolio gehören die Social-Bookmarking-Webanwendung del.icio.us, bei der Nutzer persönliche Lesezeichen anlegen können, und «Yahoo Answers», in Deutschland als «Yahoo Clever» bekannt – eine Website, auf der Nutzer Fragen stellen können, die von anderen Anwendern beantwortet werden.

Hintergrund:
Für Aufruhr hat die Microsoft-Offerte aber vor allem unter den Usern von Flickr gesorgt. Die Anwendung, 2005 von Yahoo gekauft, erlaubt Benutzern, digitale Bilder mit Kommentaren auf die Website zu stellen und so anderen zur Verfügung zu stellen. Mitglieder der weltweit angesagten Fotoseite protestieren lautstark gegen die geplante Übernahme durch den Softwareriesen.

Kaum waren die Microsoft-Pläne bekannt geworden, luden erste User Anti-Microsoft-Bilder hoch, bastelten «Flickr Live»-Logos und drohten damit, sich von der Website abzuwenden, sollte Microsoft tatsächlich zugreifen. «Nun, dann bin ich hier raus!», zitiert das Fachportal «Wired» einen Flickr-Nutzer. Die auf der Website gegründete User-Gruppe mit dem Namen «Microsoft: Lass deine bösen schmutzigen Hände von unserem Flickr» hat inzwischen mehr als 1500 Mitglieder.

Protest 2.0

Wer die Flickr-Geschichte verfolgt, erlebt ein Déjà vu: Schon vor 2005, bei der Übernahme durch Yahoo, gab es heftige Proteste in der Flickr-Gemeinde. Die Argumente lauteten ähnlich wie die, die jetzt gegen Microsoft laut werden: Die Fotoseite verliere ihren alternativen Touch und werde umständlicher. Womöglich drohe Zensur. Doch abgesehen davon, dass Mitglieder zu einer Yahoo-ID verpflichtet wurden, hatte die Übernahme wenig Folgen für Flickr.

Daher sorgen jetzt Einträge bei Flickr wie «Microsoft ist kein verbraucherorientiertes Unternehmen, es ist ein betriebswirtschaftlich handelndes Unternehmen» für Verwunderung. So fragt sich der US-Blogger Thomas Hawk, worin denn der Unterschied zwischen Yahoo und Microsoft bestehen soll. Beides seien schließlich unternehmerisch denkende Konzerne.

Google wiederum ist, was Microsofts Yahoo-Pläne betrifft, weniger die Übernahme von Flickr oder del.icio.us ein Dorn im Auge. Der Suchmaschinen-Betreiber warnt vor einer Dominanz von Microsoft bei «Instant Messaging» und webbasierter E-Mail. Tatsächlich führen Yahoo und Microsoft nach den Comscore-Zahlen bei beiden Diensten deutlich vor Google. Wegen der Dominanz bei PC-Betriebssystemen könnte Microsoft zudem in der Lage sein, Kunden automatisch auf seinen E-Mail-Dienst oder Instant Messaging zu leiten.

 
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