Mehdorn vergrätzt SPD mit Alleingang
04.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
«Die beiden (Mehdorn und Sack) machen Druck auf die Entscheidungsträger», zitierte die Zeitung aus dem Aufsichtsrat. Mitglieder des Kontrollgremiums halten den Zeitplan im Herbst für ehrgeizig. Doch Mehdorn fühlt dem Vernehmen nach schon bei institutionellen Investoren vor. Die «FTD» sieht zwei Gründe für das beschleunigte Tempo: Der mit rund 19 Milliarden Euro verschuldete Konzern benötige dringend frisches Kapital, um etwa eine weitere Auslandsexpansionen zu finanzieren. Zudem schlössen sowohl die Bundesregierung als auch die Bahn-Spitze und der Aufsichtsrat einen Teilverkauf in zeitlicher Nähe zur Bundestagswahl im Herbst 2009 aus.
Das stößt bei der FDP auf Widerstand: «Die Beteiligung des Bundestags ist politisch unverzichtbar, weil hier eine Strukturentscheidung getroffen wird, die für den ganzen Schienensektor von Bedeutung ist», sagte der Verkehrsexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Horst Friedrich, der Netzeitung. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Kollegen von Union und SPD eine Entscheidung am Parlament vorbei bieten lassen werden, zumal sie im Koalitionsvertrag ausdrücklich vorgesehen ist.»
Mit der Volksaktie-Idee stößt die SPD indes auf Widerstand beim Koalitionspartner, und auch die Bahn lehnt die Ausgabe stimmrechtsloser Aktien ab, weil sie damit niedrigere Privatisierungserlöse fürchtet. Ein weiteres Problem: die SPD macht sich in dem Beschluss für den Erhalt des integrierten Konzerns stark. Doch auch in diesem Punkt geht das Holdingmodell andere Wege. Denn de facto könnte der Bund indirekt über den Konzern später weitere Anteile an der Zwischenholding veräußern, so dass er die Mehrheit daran verlöre und die Transportsparten damit überwiegend in privater Hand lägen.
Das widerstrebt weiten Teilen der SPD, darunter den Jusos, der Jugendorganisation der SPD, die wie in Hamburg beschlossen auf den Erhalt des integrierten Konzerns pochen. Allerdings hatte die SPD in Hamburg auch festgelegt, dass für den Fall, das Volksaktien-Konzept beim Koalitionspartner nicht durchsetzen zu können, Alternativen vom Vorstand zusammen mit anderen Parteigremien beraten und dann wieder dem Parteitag vorgelegt würden.
Juso-Chefin Franziska Drohsel fürchtet nun, dass die Bahn mit ihrem Vorpreschen das in Hamburg vereinbarte Verfahren hintergeht. «Wir erwarten, dass sich die Regierungsmitglieder der SPD und die SPD-Bundestagsfraktion an den Parteitagsbeschluss halten», stellt Drohsel klar. Da die Parteigremien das Holdingmodell bisher nicht hätten beurteilen können, dürfe bei der Bahn keine Vorfestlegung darauf erfolgen.
Das wird den Gewerkschaften aber nicht gelingen, meint Friedrich. «Da kann Transnet-Boss Hansen so viele Sicherungen einbauen wie er will, es gibt aktien- und vertragsrechtlich immer die Möglichkeit, mit entsprechenden Mehrheiten später anders zu entscheiden.» Ein Vertrag zwischen dem Bund und der Deutschen Bahn, wonach der Konzern nicht mehr als 49 Prozent der Anteile an den Transportsparten verkaufen wird, könne später wieder aufgehoben werden «und würde es auch, jede Wette.»
Laut «FTD» wollen Hansen und der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Günter Kirchheim, auf eine Satzungsänderung im Aufsichtsrat dringen, dem die beiden angehören. Demnach solle eine Aufspaltung der Bahn künftig nur möglich sein, wenn die Mitglieder des Kontrollgremiums mit einer Zweidrittel-Mehrheit zustimmen. Da die Arbeitnehmer aber die Hälfte der Aufsichtsratsmandate innehaben, wäre die Einheit der Bahn damit weitgehend gesichert.
Eine solche Neufassung werde aber nicht im Aufsichtsrat beschlossen, widerspricht Friedrich. Eine Änderung der Konzernsatzung, in der die Rechte des Aufsichtsrates verankert sind, könne laut Aktiengesetz nur von der Hauptversammlung - also dem Kreis der Eigentümer - beschlossen werden. «Deswegen könnte so eine Satzungsbestimmung später immer ohne die Gewerkschaft wieder geändert werden», schlussfolgert der FDP-Experte.

