01.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Yahoo-Zentrale in Sunnyvale (USA)
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Softwarekonzern will nach eigenen Angaben das Internet-Portal Yahoo übernehmen. Der milliardenschwere Kauf des zuletzt schwächelnden Unternehmens würde den Markt nachhaltig verändern.
Der US-Softwarekonzern Microsoft hat eine neue Offerte für das Online-Unternehmen Yahoo vorgelegt. Das Angebot belaufe sich auf 31 Dollar je Aktie. Das entspräche einem Wert von 44,6 Milliarden Dollar - 62 Prozent mehr als der Schlusskurs vom Donnerstag. Bezahlt werden soll zur Hälfte in bar und zur anderen Hälfte in eigenen Aktien. Microsoft erwartet jährliche Synergien von einer Milliarde Dollar. Das Geschäft soll im zweiten Halbjahr 2008 abgeschlossen werden. Nach Bekanntgabe des Plans schoss der Yahoo-Kurs kometenhaft in die Höhe.
«Wir haben großen Respekt vor Yahoo», sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer, «gemeinsam können wir spannende Lösungen für Endkunden, Verlage und Werbetreibende schaffen.» Sein erklärtes Ziel ist es, Microsoft im Online-Werbemarkt stärker aufzustellen. Yahoo habe vor rund einem Jahr eine Offerte Microsofts abgelehnt mit dem Hinweis, man rechne mit besseren Geschäften. «Ein Jahr ist vorbei, und die Wettbewerbsitution hat sich nicht verbessert», begründete Ballmer den überraschenden zweiten Vorstoß. Er geht davon aus, dass der Yahoo-Verwaltungsrat seine bisherige Haltung überdenken wird. Microsoft behalte sich zugleich das Recht vor, alle notwendigen Schritte einzuleiten, um den Aktionären des Online-Unternehmens die Möglichkeit zu eröffnen, den Wert der Offerte zu erkennen. Damit schloss er indirekt einen feindlichen Übernahmeversuch nicht aus.
Frontalangriff auf GoogleDer Kauf von Yahoo ist damit ein Frontalangriff auf den marktbeherrschenden Konkurrenten Google. Mit Zukäufen von Online-Werbefirmen hatten sich sowohl Microsoft als auch Google in der jüngsten Vergangenheit in diesem Feld verstärkt. Yahoo drohte im Spiel der beiden Giganten das Nachsehen. Der Gewinn des Unternehmens war im Schlussquartal 2007 um fast ein Viertel eingebrochen, während Google zweistellig zugelegt hatte. Die Google-Aktie sank vorbörslich um 8,52 Prozent auf 516,22 Dollar.
Schon seit geraumer Zeit gilt Yahoo als Übernahmekandidat. Das Unternehmen war zwar bald nach der Gründung durch Jerry Yang und seinen Kommilitonen David Filo im Jahr 1995 die Nummer eins im Internet. Inzwischen aber hat Konkurrent Google den Internet-Pionier bei den Werbeeinnahmen längst überholt. Google nimmt in zwei Monaten so viel Geld ein wie Yahoo in einem Jahr.
Seit dem Amtsantritt Yangs als Vorstandschef im vergangenen Jahr hat die Yahoo-Aktie 18 Prozent ihres Werts verloren, während das Google-Papier im gleichen Zeitraum um 21 Prozent teurer wurde. Erst diese Woche hatte Yahoo einen massiven Gewinneinbruch im vierten Quartal bekanntgegeben und angekündigt, rund 1000 Stellen zu streichen: sieben Prozent der bislang 14.300 Beschäftigten (dpa/AP)