01.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
WPP-Chef Martin Sorrell
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Einige der Blütenträume des Web-2.0-Booms könnten bald platzen, fürchtet der Chef des Medienkonzerns WPP. Sorrell hält die Geschäftsmodelle von Facebook & Co. für mehr als unsicher.
Im Jahr 2006 zahlte Google für den Online-Videodienst Youtube noch umgerechnet 1,3 Milliarden Euro gezahlt im Herbst 2007 wurde die Internet-Community Facebook mit 15 Milliarden Euro bewertet, als Microsoft mit 1,6 Prozent bei dem Netzwerk einstieg. Der Preis für Online-Portale und soziale Netzwerke im Internet stieg binnen weniger Monate also rasant Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hatte ein Jahr zuvor ein Kaufangebot von Yahoo in Höhe von einer Milliarde Dollar noch abgelehnt.
Auslöser beider Zukäufe war die Hoffnung auf ein lukratives Geschäft mit Werbung eine Hoffnung indes, die sich kaum erfüllen wird, wie der Chef des britischen Medienkonzerns WPP, Martin Sorrell, meint. «Ich glaube nicht, dass die Mitglieder dieser Netzwerke bereit sind, sich kommerzialisieren zu lassen», sagte Sorrell der «Financial Times Deutschland».
Sorrells Einschätzung zufolge ist es grundsätzlich sehr schwierig, ein soziales Netzwerk in ein Geschäftsmodell zu verwandeln. «Die Leute kommen zu Facebook, um sich auszutauschen, das ist die moderne Form des Briefeschreibens», erläuterte der WPP-Chef. «Wenn man versucht, daraus Kapital zu schlagen, reagieren sie sehr negativ.» Daher müssten die Betreiber mit viel Fingerspitzengefühl und sehr transparent vorgehen.
Schlechte Erfahrungen musste Facebook-Gründer Zuckerberg mit seinen Usern bereits machen. Die liefen nämlich massiv Sturm gegen Pläne, ihre Daten zu Werbezwecken anonymisiert weiterzugeben. Zuckerberg war schließlich gezwungen, zurückzurudern. Ähnliche Probleme hat derzeit das im vergangenen Jahr vom Holtzbrinck-Verlag übernommene deutsche Portal StudiVZ. Es erntete scharfen Protest, als es ankündigte, die Daten der Nutzer für gezielte Werbung zu nutzen.
«Websites kommen und gehen»Vor diesem Hintergrund hält WPP-Chef Sorrell die Bewertung von sozialen Internet-Netzwerken für überzogen. «Tatsache ist, dass Facebook keine 15 Milliarden Dollar wert ist», sagte Sorrell. Der tatsächliche Wert werde sich erst noch erweisen etwa wenn das Unternehmen den Gang an die Börse wage. «Derzeit gibt es nur extreme Schätzungen und Hochrechnungen.» Im vergangenen Jahr erzielte Facebook einen Umsatz von 150 Millionen Dollar, Branchenkenner schätzen den Gewinn auf eine mittlere zweistellige Millionensumme.
Sorrell prognostiziert zudem, dass viele dieser Online-Gemeinschaften schon bald wieder verschwinden. «Diese Websites kommen und gehen, und ich bezweifle, dass sich viele lange halten werden», sagte er. Der Chef der weltweit zweitgrößten Werbeholding ist ein gewichtiger Spieler im Anzeigengeschäft, in das die Betreiber sozialer Netzwerke vorstoßen wollen. Insgesamt rechnet Sorrell damit, dass sich die Gewichte im Werbegeschäft weiter in Richtung Internet verschieben. (nz)