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Gutes Zeugnis für «Heuschrecken»

30. Jan 2008 14:04
Ein 'Anti-Heuschrecken'-Transparent
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Auch wenn das «Heuschrecken»-Bild nicht ganz an den Haaren herbei gezogen ist: Finanzinvestoren sind besser als ihr Ruf, urteilen Ökonomen in einer Studie. Warum, ließ sich Matthias Breitinger von einem der Autoren erklären.

Sei es der Armaturenhersteller Grohe oder der Fotoentwickler Cewe Color: Dem interessierten Beobachter fallen schnell Beispiele ein, um die These der bösen «Heuschrecken» zu belegen - also der Finanzinvestoren, die laut einer Äußerung des damaligen SPD-Chefs Franz Müntefering aus dem Jahr 2005 «über Unternehmen herfallen, sie abgrasen und weiterziehen».

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Zur Erinnerung: Grohe war im Sommer 2004 von den Finanzinvestoren Texas Pacific und Credit Suisse übernommen worden, die den Kauf vor allem durch Kredite finanzierten, die dem Armaturenhersteller auferlegt wurden. Zudem wurden massiv Stellen gestrichen. Vorstand und Betriebsrat von Cewe Color kämpften Anfang 2007 – mit Erfolg – gegen einen am Unternehmen beteiligten New Yorker Hedgefonds, der das Unternehmen zwingen wollte, einen hohen Kredit aufzunehmen und das Geld an die Aktionäre als Sonderdividende auszuschütten.

Diese Negativbeispiele will der Bonner Volkswirt André Betzer auch nicht wegdiskutieren. «Ich will nicht bestreiten, dass es negative Fälle gibt», sagte der Ökonom der Netzeitung. «Auch unter den Finanzinvestoren gibt es schwarze Schafe.» Allerdings kam der Wirtschaftswissenschaftler in einer neuen Studie gemeinsam mit Forschern der Universität Aberdeen und der TU München zu dem Ergebnis: Insgesamt sind die «Heuschrecken» besser als ihr Ruf.

Keine Massenentlassungen

Die Ökonomen nahmen repräsentativ 52 an der Deutschen Börse notierte Unternehmen unter die Lupe und untersuchten deren Entwicklung, nachdem eine so genannte Private-Equity-Gesellschaft mit mindestens fünf Prozent eingestiegen war. Die Ergebnisse rechtfertigten das «Heuschrecken»-Image nicht, so Betzer. «Dass der Einstieg eines Finanzinvestors einen positiven Effekt für die Aktionäre des Unternehmens hat, war ein wenig überraschendes Ergebnis unserer Untersuchung. Die Aktienkurse sind danach überdurchschnittlich gestiegen. Wir konnten allerdings keine negativen Effekte für die Belegschaften feststellen.»

Zitat: Auslöser der "Heuschrecken"-Debatte
"Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten – sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter." (Franz Müntefering in der "Bild am Sonntag", 17.04.2005)
Zu Massenentlassungen und Dumping-Löhnen kam es nach dem Einstieg von Finanzinvestoren nicht. Zwar sei im Schnitt die Zahl der Beschäftigten im Folgejahr leicht gesunken, aber nicht signifikant, erläutern die Forscher. Rechne man konjunkturelle Faktoren heraus, habe die Zahl der Mitarbeiter sogar leicht zugenommen. Ihr Durchschnittsverdienst sei im gleichen Zeitraum um gut sechs Prozent gestiegen.

Es gibt auch «Honigbienen»

Das schlechte Image der Private-Equity-Firmen sei also zumindest teilweise unbegründet, urteilt Betzer. Neben den schwarzen Schafen gebe es unter ihnen «mindestens ebenso viele 'Honigbienen', die mit ihrem Kapital erst das Überleben eines Unternehmens sichern», erklärte der Volkswirt. «Es gibt auch viele Firmen, bei denen sich der Einstieg einer Private-Equity-Gesellschaft positiv ausgewirkt hat. Das war zum Beispiel bei Südchemie der Fall, oder bei Märklin – dessen Betriebsrat hat das ausdrücklich mitgetragen.»

Aber in den Medien werde offensichtlich lieber und ausführlicher über die negativen Fälle berichtet, meint Betzer. Hinzu kommt: Die Studie der Unis Bonn, Aberdeen und München ist nach eigener Aussage die erste breite Untersuchung, die die volkswirtschaftliche Wirkung der Finanzinvestoren beleuchtet. Der Experte beklagt daher, dass auch viele Entscheidungsträger in der Politik sich mit der Materie nur wenig auskannten und sich «vielleicht etwas zu sehr von Klischees und Stimmungen» haben treiben lassen.

Also alles in bester Ordnung im Private-Equity-Geschäft? Nicht ganz, findet auch Betzer. «Private Equity ist immer noch recht intransparent», monierte der Fachmann. «Allerdings sollte man in der Öffentlichkeit und der Politik sachlich darüber diskutieren, ob es im Bereich Private Equity Handlungsbedarf seitens des Gesetzgebers gibt.» Als möglichen Punkt sprach Betzer die bereits erwähnte Ausschüttung von Sonderdividenden nach der Übernahme durch den Finanzinvestor an. «Da hat es in der Vergangenheit schon vereinzelte Fälle gegeben, die nicht im Sinne der Belegschaft und Kreditgeber waren.»

 
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