26.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Nokia-Werkshalle
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Fördermittel waren an eine bestimmte Zahl von Dauerarbeitsplätzen in Bochum gebunden, doch die Finnen unterschritten die Vorgabe um 200 bis 400. Das NRW-Wirtschaftsministerium prüft rechtliche Konsequenzen.
Der Handykonzern Nokia hat in seinem Bochumer Werk gegen Subventionsauflagen verstoßen. Der Sprecher des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums, Joachim Neuser, sagte am Samstag, das finnische Unternehmen habe die Zahl der an öffentliche Fördermittel gebundenen Dauerarbeitsplätze in den Jahren 2002 bis 2005 um 200 bis 400 unterschritten. Die rechtlichen Konsequenzen würden derzeit geprüft. Endgültige Zahlen sollen demnach im Laufe der kommenden Woche vorliegen.
Zuvor hatte das Magazin «Focus» über den Verstoß berichtet. Demzufolge prüft auch die Staatsanwaltschaft Bochum, ob sie Ermittlungen wegen Subventionsbetrug im Zusammenhang mit den Arbeitsplätzen aufnimmt. Die Fördermittel von 58 Millionen Euro waren demnach an die Schaffung von 2860 Dauerarbeitsplätzen gebunden. Das Bundesforschungsministerium untersuche ebenfalls, ob es Fördermittel für Forschung und Entwicklung zurückfordern könne. Von 1998 bis 2007 hat Nokia dem Bericht zufolge hierfür insgesamt zehn Millionen Euro erhalten.
DGB kündigt Massenproteste «wie in Rheinhausen» anDer Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat massiven Widerstand gegen die Schließung des Nokia-Werkes in Bochum angekündigt. «Wir erleben eine Mobilisierung wie seit langem nicht mehr», sagte der nordrhein-westfälische DGB-Vorsitzende Guntram Schneider der «Rheinischen Post» zufolge. «Wenn die Finnen sich nicht bald bewegen, dann kann das so dramatisch werden wie bei dem Massenprotest in Rheinhausen 1987». Schneider forderte Nokia auf, die Entscheidung zu revidieren. Statt den Standort nach Rumänien zu verlagern, solle der Konzern Wege finden, um die Produktivität des Standorts Bochum zu erhöhen.
Außerdem verlangte Schneider striktere Regelungen, um künftige Schließungen zu verhindern. «Ich erwarte, dass das Land NRW eine Bundesratsinitiative einbringt, die die Schließung von Standorten erschweren soll. Für Standortschließungen sollte eine Zweidrittelmehrheit im Aufsichtsrat gesetzlich vorgeschrieben werden.» Auch die Kosten für Sozialpläne müssten höher werden, wurde Schneider zitiert. Er gehe zudem davon aus, dass sich Nokia mit dem neuen Standort Rumänien verrechne: «Dort herrscht Vollbeschäftigung. Die Qualifizierten arbeiten fast alle im Ausland.»
Steinmeier wirft Nokia ein «Doppelspiel» vorAußenminister Frank-Walter Steinmeier hat Nokia ein Doppelspiel vorgeworfen. «In Bochum wurden mit den Mitarbeitern Zukunftspläne gemacht und in Rumänien in Wahrheit neue Fakten geschaffen», beklagte der SPD-Politiker in einem Gespräch mit der «Neuen Ruhr/Rhein Zeitung». Dafür habe er kein Verständnis. Wenn es zuträfe, dass in Bochum der Betriebsrat nicht informiert worden sei, dann sei das unglaublich, sagte Steinmeier und regte strengere Informationspflichten an: «Es muss uns auch darüber nachdenken lassen, ob eklatante Verstöße gegen die Informationspflicht so folgenlos bleiben können wie bisher.» Wo schwarze Zahlen geschrieben würden, «darf man keine Arbeitsplätze abschreiben, erst recht nicht, wenn Nokia Rekordgewinne einfährt», fügte Steinmeier hinzu.
Anderthalb Wochen nach der Ankündigung des Handykonzerns Nokia, sein Werk in Bochum zu schließen, ist das Image des finnischen Herstellers offenbar drastisch gesunken. Von der Bekanntgabe der Werksschließung am 15. Januar bis zum 23. Januar sank der allgemeine Imagewert des Unternehmens von plus 41 Prozent auf minus 14 Prozent, wie die «Wirtschaftswoche» unter Berufung auf Umfragen des Marktforschungsinstitutes Psychonomics berichtete.
Nokia-Produkte werden negativ beurteiltAuch in sechs anderen Bewertungskategorien rutschte Nokia demnach in den negativen Bereich. Für die Erhebung befragte das Institut täglich 1000 Bundesbürger. Dem Bericht zufolge sank die Bereitschaft, Nokia weiter zu empfehlen, von plus 48 Prozent auf minus sechs Prozent. Das Image Nokias als guter Arbeitgeber brach demnach noch stärker ein und sank von plus 44 Prozent auf minus 37 Prozent. Das Qualitätsempfinden, das zuvor mit plus 62 Prozent deutlich über den Wettbewerbern gelegen hatte, sank auf plus fünf Prozent und damit noch unter die plus sechs Prozent des chinesischen Herstellers LG. Auch die Einstellung der Bundesbürger zu Nokia-Produkten hat sich dem Bericht zufolge massiv gewandelt: Wurde das Preis-Leistungs-Verhältnis am 15. Januar noch mit plus 34 Prozent bewertet, waren es am 23. Januar minus 14 Prozent. (AP)