Huber wirft Nokia Skrupellosigkeit vor
Nokia habe sich zum Ziel gesetzt, das Vermögen seiner Anleger alle fünf Jahre zu verdoppeln. Das sei «aberwitzig» und untergrabe das wirtschaftliche Fundament und das soziale Gefüge jeder Gesellschaft, sagte Huber. Diese «skrupellose Geschäftspolitik» übersteige die «Grenze des Zumutbaren». Das Konzept, zu niedrigen Löhnen und niedrigen Steuern in Osteuropa zu produzieren, aber zu höchsten Preisen und höchsten Gewinnmargen im Westen zu verkaufen, ginge auf Dauer nicht auf, sagte Huber. «Solche Konzerne sägen am Ast auf dem sie sitzen.»
Zu der Protestkundgebung am Dienstag hatten laut IG-Metall-Funktionär, Volker Strehl, auch Mitarbeiter von VW aus Wolfsburg, Ford in Köln und Opel in Rüsselsheim ihr Kommen angekündigt. Solidarisch mit der Nokia-Belegschaft zeigten sich ferner die Bochumer Opelarbeiter. «Seit 11 Uhr stehen hier die Bänder still», sagte Dirk Bresser, IG-Metall-Vertrauenskörperleiter im Bochumer Opel-Werk, am Dienstag. Die gesamte Frühschicht und auch Teile der Mittagsschicht wollten sich dessen Angaben zufolge an der Kundgebung beteiligen.
Inzwischen hat sich auch der Deutsche Gewerkschaftsbund mit den Beschäftigten des Nokia-Werks solidarisch erklärt. In einer Solidaritätsadresse vom Dienstag hieß es: «Es ist nicht hinnehmbar, dass mehr als 4000 Beschäftigte direkt oder indirekt durch die Schließung des Bochumer Werks ihren Arbeitsplatz verlieren.» Von dem finnischen Unternehmen sei es «geradezu unanständig, nach Auslaufen von Staatshilfen in Größenordnungen von annähernd 90 Millionen Euro dem Standort Bochum und der Region den Rücken zu kehren», so der DGB. Die Gewerkschaften erwarteten von Nokia eine Entscheidung für den Standort Bochum. «Die Aufforderung geht an die Politik, diesen Prozess im Sinne der Erhaltung von Arbeitsplätzen entschieden zu unterstützen.»
Unter den Demonstranten in Bochum wurden auch NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sowie der Vorsitzende der Linken, Oskar Lafontaine, erwartet. Die SPD-Landtagsfraktion hatte ihre Sitzung nach Bochum verlegt und wollte geschlossen zu der Kundgebung auf die Straße gehen.
Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat sich kritisch über die geplante Schließung des Bochumer Werks geäußert. Die Gründe dafür seien aus seiner Sicht «nicht voll nachvollziehbar», sagte der CSU-Politiker am Dienstag. Für die betroffenen Arbeitnehmer sei dies eine schockartige Entwicklung. «Ich hoffe, dass die Gespräche dazu führen, dass man einen Teil der Produktion oder Entwicklung weiter betreibt - oder sich im anderen Fall entsprechend um die Arbeitnehmer kümmert», sagte der Minister.
Doch die Gespräche zwischen dem finnischen Nokia-Management und dem deutschen Betriebsrat haben nach Angaben des IG-Metall-Vorsitzenden Berthold Huber keine Fortschritte gebracht. Die Unternehmensleitung habe «die harte Linie eingeschlagen», sagte der Gewerkschafter am Dienstag im Bayerischen Rundfunk. Er drohte dem Konzern deshalb mit einer «knüppelharten Auseinandersetzung». (nz/dpa/AP)
