21.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Nokia-Zentrale im finnischen Espoo
Foto: Nokia Siemens Networks
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Vor der für Dienstag angesetzten Großdemo in Bochum trafen sich Betriebsräte des gefährdeten Nokia-Werks sowie Vertreter der IG Metall mit der Konzernleitung in Finnland - ohne greifbares Ergebnis.
Nokia will offizielle Gespräche mit dem Betriebsrat in Bochum über die geplante Schließung des deutschen Werks aufnehmen. Das kündigte Konzernsprecherin Arja Souminen am Montag nach einem Treffen von Betriebsräten und IG-Metall-Vertretern mit Nokia-Vorstandschef Olli-Pekka Kallasvuo in Helsinki an. Bei der Zusammenkunft am Montag habe es sich um ein inoffizielles Treffen gehandelt, sagte die Sprecherin, die ansonsten keine Einzelheiten preisgeben wollte. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers äußerte unterdessen in Düsseldorf erneut Unverständnis für das Vorgehen des finnischen Konzerns. Mit einer Großdemonstration will die IG Metall am Dienstag in Bochum der Empörung Ausdruck verleihen.
Rüttgers sagte in einem von der Landes-CDU veröffentlichen Video-Podcast, er könne das Verhalten von Nokia nicht verstehen. «Die Behauptung zu hoher Lohnkosten in Bochum vermag ich nicht nachzuvollziehen», sagte der Ministerpräsident. «Wenn man weiß, dass die Lohnkosten nur fünf Prozent der Produktkosten ausmachen, dann kann das nicht durchschlagen, dass wir höhere Löhne haben als in Rumänien.»
Landeswirtschaftsministerin Christa Thoben sagte im WDR: «Es geht nicht an, dass man bis Weihnachten Überstunden, Überschichten fährt, weil man so stark ausgelastet ist, und den Mitarbeitern dann sagt 'April, April'.» Das Verhalten von Nokia «diskreditiert auch unsere gesamte Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Ich bin nicht bereit, das so hinzunehmen», betonte die CDU-Politikerin. Selbst wenn die Schließung des Werks in Bochum letztlich rechtens sein sollte, bleibe das Vorgehen «politisch aus meiner Sicht unerträglich».
Steinbrück und Lafontaine beim ProtestBeschäftigte von Nokia und Mitarbeiter anderer Unternehmen sind für Dienstag zu einer Protestveranstaltung in Bochum aufgerufen. Als Redner vorgesehen sind neben anderen IG-Metall-Chef Berthold Huber und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Auch der Parteichef der Linken, Oskar Lafontaine, hat seine Teilnahme angekündigt. Die IG Metall rechnet mit mehreren tausend Teilnehmern. Der Landtag in Düsseldorf hat für Mittwoch eine Aktuelle Stunde zum Fall Nokia angesetzt.
Der Linken-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen griff unterdessen den früheren nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Steinbrück an. Er werde dazu Stellung nehmen müssen, warum die von ihm geführte Landesregierung die Subventionsbedingungen aufgeweicht und nicht auf dem zugesagten Beschäftigungsaufbau bis auf 2800 Stellen bei Nokia bestanden habe.
Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, wandte sich gegen gesetzliche Hürden gegen Werksschließungen oder Verlagerungen. Solche Forderungen seien «aus der Wut des Augenblicks nachempfindbar, stiften aber leider mehr Schaden als Nutzen», sagte er der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung». Kannegiesser sprach sich für eine freie Standortwahl von Unternehmen aus. «Firmen aus aller Welt sollen sich für Standorte in unserem Land genauso frei entscheiden können wie wir bei ihnen.» Wer sich einmauere, so Kannegiesser, habe auf Sicht schon verloren. Weltoffenheit funktioniere nur auf Gegenseitigkeit. (AP)