netzeitung.deAuch SPD-Chef Beck fordert Nokia-Boykott

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Lupe Auch SPD-Chef Beck fordert Nokia-Boykott

Die Empörung über die geplante Schließung des Bochumer Nokia-Werkes hält an. Auch der SPD-Chef Beck will die Marke boykottieren. Der Grüne Kuhn wirft sein Nokia-Handy nur aus ökologischen Gründen nicht weg.

Angesichts der geplanten Schließung des Nokia-Werks in Bochum fordern immer mehr Politiker die Verbraucher zum Boykott des finnischen Handy-Herstellers auf. SPD-Chef Kurt Beck sagte der «Bild am Sonntag», ihm komme kein Nokia-Handy mehr ins Haus. Deutschland habe 82 Millionen Verbraucher, «wir alle können gemeinsam deutlich machen, dass wir uns nicht vorführen lassen». Der Grünen-Politiker Fritz Kuhn sagte dem Bremer «Kurier am Sonntag», jeder müsse überlegen, ob er Produkte solcher Firmen noch kaufe.

Zuvor hatten bereits Politiker wie Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CDU) und SPD-Fraktionschef Peter Struck angekündigt, keine Nokia-Handys mehr benutzen zu wollen. Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hatte auf die Macht der Verbraucher hingewiesen.

Beck sagte, es sei nicht seine Art, zum Warenboykott aufzurufen. «Aber für mich - und vielen Deutschen geht es sicher ähnlich - hat der Name Nokia seit dieser Woche keinen guten Klang mehr.» Er werde keine Nokia-Handys mehr benutzen: «Ich will beim Telefonieren nicht ständig an dieses unglaubliche Ärgernis erinnert werden.» Man müsse den Verantwortlichen bei Nokia klarmachen, was sie täten, betonte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident.

Der Lohnkostenanteil bei der Handyproduktion liege unter fünf Prozent. «Wer da die Lohnhöhe als entscheidenden Grund für eine Standortverlagerung nennt, nachdem er 90 Millionen Euro Subventionen kassiert hat, verschweigt, dass es ihm nur um höhere Rendite geht.»

Kuhn sagte, er besitze ein Nokia-Handy und werde dies aus ökologischen Gründen auch nicht wegwerfen. «Aber: Wenn Nokia das Werk in Bochum tatsächlich dicht macht, werde ich sicher kein Nokia-Handy mehr kaufen.» Die Verbraucher müssten künftig «schärfer auf diese Subventionssäue reagieren».

Lafontaine sieht «Fratze des Finanzkapitalismus»
Die ganze Subventionspolitik europaweit müsse auf den Prüfstand, forderte Kuhn. «Hier wird viel Steuergeld verschleudert. Es gibt Firmen, die die Fördermittel regelrecht abgrasen. Das Mindeste wäre es, Ansiedlungssubventionen nur noch dann zu vergeben, wenn die Betriebe sich dafür länger an den Standort binden müssen.»

Der Vorsitzende der Partei «Die Linke», Oskar Lafontaine, sprach in der «Passauer Neuen Presse» von der «hässlichen Fratze des Finanzkapitalismus». Wegen kleinster Verbesserungen bei Gewinnmargen müssten viele tausend Menschen Angst vor der Zukunft haben. «Dieses Wirtschaftssystem kann nicht die letzte Antwort sein.» (AP)