netzeitung.deNeuer EMI-Eigner will beim Marketing kürzen

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Sauer auf seine Plattenfirma: Robbie Williams (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sauer auf seine Plattenfirma: Robbie Williams
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Bei EMI droht vor allem in der Verwaltung ein gewaltiger Jobabbau. Der neue Eigentümer plant aber auch für die Stars harte Einschnitte - und zieht damit die Wut von Robbie Williams und Coldplay auf sich.

Der neue Besitzer der britischen Plattenfirma EMI, Guy Hands, ist offensichtlich unbeeindruckt von angedrohten Protesten mehrerer Künstler: Er will die geplanten Stellenstreichungen durchziehen, und sie fallen offensichtlich größer aus als zunächst gedacht. Britischen Medienberichten zufolge wird Hands am Dienstag den Abbau von bis zu 2000 Arbeitsplätzen bekannt geben. Damit würde mehr als jede dritte Stelle wegfallen. Das wäre fast doppelt so viel wie zuvor erwartet.

Guy Hands ist Chef der Investmentgesellschaft Terra Firma, also eines Unternehmens, das hierzulande mit der Bezeichnung «Heuschrecke» assoziiert wird. Genau deshalb war Hands schon vergangene Woche scharf angegriffen worden: Tim Clark, der Manager von Robbie Williams (bei EMI unter Vertrag), hatte geschimpft, Hands benehme sich wie ein «Plantagenbesitzer». Hands habe vom Musikbusiness keine Ahnung.

Damit schloss sich Clark ähnlich lautender Kritik von Coldplay, Radiohead oder Paul McCartney an. Der Ex-Beatle hatte deshalb bereits im vergangenen Jahr die krisengeschüttelte EMI nach mehr als 40 Jahren verlassen. Hands weist die Kritik zurück: Die Probleme bei EMI seien auch nicht anders als die, welche er im Zug- oder Flugzeug-Leasinggeschäft erlebt habe, zitiert ihn die «Financial Times». Hands' Umfeld konterte gar, Hands verstehe das Geschäft sogar sehr gut und sei nicht mehr bereit, sich überteuerte Stars zu leisten.

Hands stört sich an zu viel Verwaltung
Die Schwierigkeiten, mit denen EMI zu kämpfen hat, sind allerdings eher andere. Die Plattenfirma hat schwer unter dem Einbruch der CD-Verkäufe zu leiden, im vergangenen Geschäftsjahr gab es einen hohen Verlust. Hands hatte voriges Jahr EMI gekauft und inklusive übernommener Schulden vier Milliarden Pfund gezahlt. Jetzt geht der Manager die Sanierung an: Im Mittelpunkt steht die Zusammenlegung von Verwaltungsfunktionen für verschiedene Labels, wie der «Telegraph» unter Berufung auf firmennahe Kreise berichtet.

Derzeit leisten sich viele EMI-Labels ihr eigenes Back Office, was Hands ein Dorn im Auge ist. Den Berichten zufolge plant der Terra-Firma-Chef, EMI in einen kreativen und einen Verwaltungsbereich aufzuspalten. Damit entfällt wohl der größte Teil der Stellenstreichungen auf das Kerngeschäft mit derzeit 4400 Mitarbeitern. Hands verweist vor allem darauf, dass diese Sparte nur die Hälfte des EMI-Gewinns beisteuert – die andere Hälfte komme von der deutlich kleineren Division, die die Musik der Klassiker Beatles, Rolling Stones oder David Bowie vermarktet.

Stars sind sauer
Was aber vor allem für die Stars entscheidend sein könnte: Hands möchte die Marketing-Ausgaben zusammenstreichen. Zwar soll in die Suche nach neuen Talenten zweistelligen Millionensummen investiert werden – aber das Marketing ist Hands offenbar zu teuer. Normalerweise lassen sich Musikkonzerne das Marketing etwa 20 Prozent des Umsatzes kosten, wie der «Telegraph» erläutert. Die EMI-Manager sollen dagegen die Quote auf zwölf Prozent drücken.

Ferner ist dem Vernehmen nach ein anderes Bonussystem geplant. Mit all diesen Maßnahmen will Hands den Gewinn bis zum Sommer um 100 Millionen Pfund aufbessern. Zudem deutete Hands an, dass auch viele der derzeit 14.000 Künstler bei EMI ihre Verträge verlieren könnten. Ohnehin machten nur 200 von ihnen den größten Teil des Konzernumsatzes aus, sagte er laut «FT». Etwa 85 Prozent der Künstler vernichten Geld ihres Labels, rechnete Hands knallhart vor. EMI gebe jährlich 70 Millionen Pfund dafür aus, Künstler zu unterstützen, die nie ein Album auf den Markt bringen werden.

Mit der Drohung, «faule» Stars rauszuwerfen, hat Hands bereits die Wut einer Reihe von Musikern auf sich gezogen. Robbie-Williams-Manager Clark kündigte an, sein Star werde sein nächstes Album zurückhalten und erst abliefern, wenn EMI ein überzeugendes Vermarktungskonzept vorlege. Neben Williams hat EMI Megastars wie Kylie Minogue oder Norah Jones unter Vertrag. In Deutschland zählen Herbert Grönemeyer, 2raumwohnung und Höhner dazu.


Für das Web ediert von Matthias Breitinger