Neuer EMI-Eigner will beim Marketing kürzen
14.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Damit schloss sich Clark ähnlich lautender Kritik von Coldplay, Radiohead oder Paul McCartney an. Der Ex-Beatle hatte deshalb bereits im vergangenen Jahr die krisengeschüttelte EMI nach mehr als 40 Jahren verlassen. Hands weist die Kritik zurück: Die Probleme bei EMI seien auch nicht anders als die, welche er im Zug- oder Flugzeug-Leasinggeschäft erlebt habe, zitiert ihn die «Financial Times». Hands' Umfeld konterte gar, Hands verstehe das Geschäft sogar sehr gut und sei nicht mehr bereit, sich überteuerte Stars zu leisten.
Derzeit leisten sich viele EMI-Labels ihr eigenes Back Office, was Hands ein Dorn im Auge ist. Den Berichten zufolge plant der Terra-Firma-Chef, EMI in einen kreativen und einen Verwaltungsbereich aufzuspalten. Damit entfällt wohl der größte Teil der Stellenstreichungen auf das Kerngeschäft mit derzeit 4400 Mitarbeitern. Hands verweist vor allem darauf, dass diese Sparte nur die Hälfte des EMI-Gewinns beisteuert die andere Hälfte komme von der deutlich kleineren Division, die die Musik der Klassiker Beatles, Rolling Stones oder David Bowie vermarktet.
Ferner ist dem Vernehmen nach ein anderes Bonussystem geplant. Mit all diesen Maßnahmen will Hands den Gewinn bis zum Sommer um 100 Millionen Pfund aufbessern. Zudem deutete Hands an, dass auch viele der derzeit 14.000 Künstler bei EMI ihre Verträge verlieren könnten. Ohnehin machten nur 200 von ihnen den größten Teil des Konzernumsatzes aus, sagte er laut «FT». Etwa 85 Prozent der Künstler vernichten Geld ihres Labels, rechnete Hands knallhart vor. EMI gebe jährlich 70 Millionen Pfund dafür aus, Künstler zu unterstützen, die nie ein Album auf den Markt bringen werden.
Mit der Drohung, «faule» Stars rauszuwerfen, hat Hands bereits die Wut einer Reihe von Musikern auf sich gezogen. Robbie-Williams-Manager Clark kündigte an, sein Star werde sein nächstes Album zurückhalten und erst abliefern, wenn EMI ein überzeugendes Vermarktungskonzept vorlege. Neben Williams hat EMI Megastars wie Kylie Minogue oder Norah Jones unter Vertrag. In Deutschland zählen Herbert Grönemeyer, 2raumwohnung und Höhner dazu.
Für das Web ediert von Matthias Breitinger

