netzeitung.deOtto-Konzern wieder in Familienhand

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Vorstandschef Michael Otto (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Vorstandschef Michael Otto
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Nach mehr als 40 Jahren hat die Otto-Familie die fehlenden 25 Prozent ihres Versandhandelskonzerns wieder zurückgekauft. Der Rückkauf von der WAZ-Mediengruppe erfolgte zum Jahreswechsel.

Ein Herzenswunsch des Versandhauskönigs Werner Otto und seiner Familie ist in Erfüllung gegangen: Der Otto -Konzern gehört wieder ganz der Gründerfamilie. Die OTTO Aktiengesellschaft für Beteiligungen (Hamburg) hat nach einer Unternehmensmitteilung vom Mittwoch die noch fehlenden 25 Prozent von den Erben der Mediengruppe WAZ übernommen. Der Rückkauf erfolgte zum 31. Dezember 2007.

Der Bevollmächtigte der Funke-Seite im WAZ-Konzern, Stephan Holthoff-Pförtner, bestätigte einen Kaufpreis von etwa einer Milliarde Euro. Die WAZ-Mediengruppe gehört zu gleichen Teilen den Familien Brost und Funke. Otto sei «ein gutes Haus», der Versandhändler liege aber außerhalb des operativen Kerngeschäftes der WAZ-Gruppe, begründete Holthoff-Pförtner den Verkauf. Die WAZ-Gruppe wolle künftig «im Kernbereich expandieren». «Wir werden mit den Einnahmen etwas Sinnvolles anstellen.» Näheres wollte Holthoff- Pförtner dazu nicht sagen.
Werner Otto startete 1949 mit 6000 D-Mark
Mit dem Rückkauf beendete der Otto -Aufsichtsratsvorsitzende Michael Otto eine «konfliktreiche Partnerschaft», schreibt die «Financial Times Deutschland». Dabei ging es nach dpa-Informationen um die Höhe der jährlichen Ausschüttung. Der Otto-Konzern wies für das Geschäftsjahr 2006/2007 (28. Februar) einen «Jahresüberschuss vor Ergebniszuweisung an Kommanditisten» von rund 361 Millionen Euro aus; davon wurden knapp 69 Millionen Euro abgeführt.

Der heute 98 Jahre alte Werner Otto hatte 1949 mit einem Startkapital von 6000 D-Mark in Hamburg einen Versandhandel aufgezogen, der aufgrund der Konsumwelle nach den Entbehrungen der Nachkriegszeit florierte. Zum weiteren Ausbau des Geschäfts benötigte Otto aber Geld und verkaufte deshalb 1962 ein Viertel des Unternehmens an die WAZ-Vertreter. Diese bündelten ihre Beteiligung an der Otto (GmbH & Co KG) in der E. Brost & J. Funke GmbH & Co. KG.

Im Onlinehandel auf Zwei hinter Amazon
Schon lange hegten die Ottos den Wunsch, ihr Unternehmen ohne familienfremde Minderheitsaktionäre zu führen. «Wenn die WAZ-Eigner ihren 25-Prozent-Anteil an Otto zu einem akzeptablen Preis verkaufen, würde ich ihn sofort übernehmen», hatte Michael Otto, Sohn des Unternehmensgründers, vor zweieinhalb Jahren gesagt. Damals fungierte er noch als Vorstandschef, bevor der 64-Jährige im Herbst vergangenen Jahres nach 26 Jahren in den Aufsichtsrat wechselte. Die dritte Generation, der Enkel und Unternehmer Benjamin Otto, hat seinen Eintritt in den Konzern angekündigt, der Zeitpunkt dafür ist aber noch offen.

Die Otto Group wird derzeit von dem Manager Hans- Otto Schrader geleitet, der seit Jahrzehnten im Unternehmen ist. Er führt einen globalen Konzern, der im Geschäftsjahr 2006/07 rund 15 Milliarden Euro Umsatz erzielte. Das Unternehmen ist auch im stationären Einzelhandel, im Großhandel sowie als Finanzdienstleister tätig. Im Online-Handel rangiert es an zweiter Stelle hinter Amazon. (dpa)