AWD will sich Berater nicht abwerben lassen
Zwar kontert AWD damit nicht direkt – Ansprechpartner der Anzeigen ist der Kunde, nicht der möglicherweise wechselwillige Mitarbeiter. Aber angesichts der deutlichen Worte ist klar, gegen welchen Rivalen die Werbung gerichtet ist. Der hatte kürzlich versucht, Verkäufer von AWD abzuwerben.
Die Postbank hält den Zeitpunkt offenbar für passend, gerade jetzt AWD-Berater anzusprechen. In ihren Augen sind viele Mitarbeiter des Hannoveraner Wettbewerbs unversichert, nachdem AWD Anfang Dezember vom Schweizer Versicherer Swiss Life übernommen wurde. Die Posttochter sieht den Konkurrenten daher nicht mehr als unabhängig an: «Alle, die jetzt ihre Unabhängigkeit verlieren, sind hoch willkommen», versucht der seit Sommer amtierende Postbank-Chef Wolfgang Klein AWD-Verkäufer zu locken, die sich die Frage stellen, ob sie auch unter dem Dach der Swiss Life unabhängig Produkte verschiedener Anbieter verkaufen dürfen.
Hintergrund der aggressiven Abwerbung von Verkäufern durch die Postbank: Das Unternehmen will stärker auf Beratung setzen. Die Zahl der mobilen Berater, die auch zum Kunden nach Hause kommen, soll von derzeit rund 4200 bis 2010 auf rund 5000 steigen. Dabei soll jeder Stammkunde einem Kundenberater zugewiesen werden – bisher gelangte ein Kunde an den Berater, der gerade Zeit hatte. Die Berater müssten «Kümmerer» werden, hat Vorstandschef Klein vorgegeben.
Die Postbank zählt rund 14,5 Millionen Kunden, davon etwa 4,6 Millionen Stammkunden. Das Institut hat in seinem Kerngeschäft mit Privatkunden auf dem deutschen Markt seit einigen Jahren mit einem harten Wettbewerb zu kämpfen, Klein sprach kürzlich von einem «knochenharten Geschäft». Er rechnet in den nächsten Jahren nicht mit einer Entspannung; deshalb will sich die Postbank vor allem auf die bestehende Kunden konzentrieren – auf dass aus Laufkundschaft Stammkunden werden, die ihre Finanzgeschäfte vorwiegend über die Postbank abwickeln. Bis 2010 soll die Zahl der Stammkunden auf 5,2 Millionen steigen.
Die Hannoveraner sollten sich also geehrt fühlen. Die sehen auch den dringenden Personalbedarf in Bonn, verweisen auf das schlechte Abschneiden der Postbank beim Bankentest von «Börse Online» und geben sich ansonsten gelassen. Ihre sehr gut ausgebildeten Berater hätten gar kein Interesse, zum «abgeschlagenen Tabellenletzten» im Testranking zu wechseln.
Für das Web ediert von Matthias Breitinger
