08. Dez 2007 15:04
Der Springer-Konzern erwägt offenbar die Insolvenz des Briefdienstes Pin. Der Aufsichtsrat soll am Montag eine Richtungsentscheidung treffen. «Alle Optionen werden geprüft.»
Springer-Verlagschef Mathias Döpfner habe sich in der vergangenen Woche im Aufsichtsrat schon Rückendeckung geholt, um Pin wenn nötig in die Insolvenz schicken zu können, schrieb der «Spiegel». Angeblich fehlten aktuell rund zehn Millionen Euro, heiße es aus dem Kreis der Pin-Mitgesellschafter. Damit würden laut «Focus» 9000 Mitarbeiter ihre Jobs verlieren. Der Verkauf der Springer-Anteile gelte als aussichtslos, weil Interessenten fehlten.Die Post AG ist angeblich bereit, Mitarbeiter der Pin AG zu übernehmen, die wegen des Mindestlohns ihren Arbeitsplatz verlieren sollten. Nach Informationen der ARD hat die Post dies SPD-Chef Kurt Beck zugesichert. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) empfahl den Mitarbeitern von privaten Konkurrenzunternehmen der Post, sie sollten sich im Falle drohender Entlassungen gerichtlich wehren. In einem Interview der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» sagte der SPD-Politiker, es stehe «viel Politik» hinter den Ankündigungen der Post-Konkurrenten, wegen des Mindestlohns in großem Umfang Personal zu entlassen.
Der Mindestlohn soll für Beschäftigte, die nur Briefe sortieren, im Osten mindestens acht und im Westen 8,40 Euro betragen. Für Briefzusteller gilt im Osten ein Mindestlohn von neun und im Westen von 9,80 Euro. Die Post-Konkurrenten zahlen aktuell aber deutlich geringere Löhne. Das Nachrichtenmagazin «Focus» zitierte Pin-Vorstandschef Günter Thiel mit den Worten: «30 Prozent mehr Gehalt auf einen Schlag sind in unserer personalintensiven Branche nicht zu stemmen.» Thiel kündigte an, dass das Unternehmen nach der erwarteten Abstimmung am Donnerstag im Bundestag über den Mindestlohn einen Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht stellen werde.