netzeitung.deAirbus: Dollar-Schwäche ist «lebensbedrohlich»

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Erst die Verzögerung bei der Einführung des A380, nun der schwache Dollar (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Erst die Verzögerung bei der Einführung des A380, nun der schwache Dollar
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Der Airbus-Chef Enders will noch mehr einsparen als bisher geplant. «Es gibt keine Tabus», kündigte er an. Zu schaffen macht dem Flugzeugbauer der schwache Dollar.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus muss stärker sparen als bisher geplant. Wegen des Kursverfalls des US-Dollars kündigte Konzern-Chef Thomas Enders nach Angaben eines Sprechers am Donnerstag «radikale Maßnahmen» an. «Es gibt keine Tabus», sagte Enders demnach bei einer Betriebsrätekonferenz in Hamburg. Es gehe um die gesamte Wertschöpfungskette, auch um Outsourcing. Über das aktuelle Sanierungsprogramm «Power 8» hinaus müssten nun weitere Maßnahmen getroffen werden, sagte ein Airbus-Sprecher. Genaueres werde in den kommenden Wochen entschieden.

«Wir müssen überlegen, wo können wir einsparen, um profitabel zu bleiben», sagte Enders demnach. Dazu müssten alle großen Kostenblöcke auf den Prüfstand. Airbus müsse überlegen: «Wieviele Zukunftsinvestitionen können wir uns noch leisten.» Dies bedeute jedoch keine Stellenstreichungen, betonte ein Konzernsprecher. Das Orderbuch sei voll.

SZ: Airbus plant Auslagerung von mehreren Werken
Laut Informationen der «Süddeutschen Zeitung» erwägt Airbus jedoch, den geplanten Verkauf seiner Werke vorerst zu stoppen. Stattdessen prüfe das Unternehmen, die zum Verkauf stehenden Standorte in eine neue Tochtergesellschaft auszulagern, berichtet die Zeitung in ihrer Freitagsausgabe unter Berufung auf Branchenkreise. In Deutschland stehen die Werke Varel, Nordenham und Laupheim sowie der EADS-Standort Augsburg auf der Verkaufsliste.

Der Wechselkurs habe die Schmerzgrenze überschritten, begründete Enders den Sparkurs. Das Geschäftsmodell sei «nicht mehr tragfähig», das Tempo des Dollarverfalls sei «lebensbedrohlich», zitierte «Spiegel Online» aus Enders' Rede. Bei der Planung des Sanierungsprogramms «Power 8» ging Airbus nach Angaben des Sprechers von einem Eurokurs von 1,35 Dollar aus. Im September habe man sich auf den Kurs von 1,40 Dollar eingestellt. Die Europäische Zentralbank stellte am Donnerstag einen Referenzkurs von 1,48 Dollar gegen den Euro fest.

Während Airbus den Großteil seiner Kosten in Euro abrechnen muss, werden die Flugzeuge zum Dollarkurs verkauft. Die Rede von Enders sei jedoch kein Appell an Politik und Europäische Zentralbank gewesen, über den Leitzins im Euroraum Einfluss auf den Kurs zu nehmen, betonte der Konzernsprecher.

Keine Auskunft über Stellenabbau
Mitarbeitervertreter kritisierten das Kommunikationsverhalten des Managements. «Wir kennen noch nicht mal die Kürzungen von 'Power 8' im einzelnen, und die schlagen schon die nächste Runde vor», sagte der Betriebsratsvorsitzende aus dem Werk Nordenham, Michael Eilers. Es habe wieder keine Antworten auf die Fragen nach Stellenstreichungen und Werksverkäufen gegeben. Auch inhaltliche Informationen über die neuen Maßnahmen seien ausgeblieben. Eilers warf dem Konzern vor, den Dollarverfall als Ausrede zu nutzen: «Sicher ist der Dollar-Kurs ein Problem fürs Unternehmen, aber es gab immer schon das Wechselkursrisiko und auch schon ähnlich hohe Kurse.»

Der Ursprung von »Power 8« sei jedoch der A380. Aufgrund von Verzögerungen beim Bau des Superjumbos A380 war Airbus in eine Krise geraten. Das im Frühjahr beschlossene Sanierungsprogramm «Power 8» sieht den Abbau von 10.000 Stellen sowie den Verkauf von sechs Werken vor. Erst vor zwei Wochen hatte der Chef des Mutterkonzerns EADS, Louis Gallois, weitere Sparmaßnahmen angekündigt und einem französischen Sender ein Sparziel von zusätzlich einer Milliarde Euro genannt. Verzögerungen beim Airbus-Militärtransporter A400M und die Dollarschwäche haben EADS in die roten Zahlen gezogen. (nz/AP)