netzeitung.deZunehmende Kritik am Bahnstreik

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'Jeder weitere Streik wäre eine Katastrophe' (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Jeder weitere Streik wäre eine Katastrophe'
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Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung beziffert die Schäden durch den Bahnstreik in dreistelliger Millionenhöhe. Doch die Bahn profitiert übrigens auch vom Arbeitskampf.

Auch wenn laut Umfragen ein Großteil der Bevölkerung Verständnis für den Arbeitskampf der Lokführer zeigt, gibt es nun auch zunehmend Kritik am Bahnstreik, und das nicht nur von Seiten der Deutschen Bahn.

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck sieht wegen des Lokführerstreiks die Tarifautonomie in Deutschland gefährdet. «Ich warne davor, dass wir für eine Branche unterschiedliche Tarifverträge bekommen. Das ist eine große Gefahr für die gesamte Tarifautonomie», sagte Beck der «Bild am Sonntag». «Die Entwicklung der letzten Tage bereitet mir größte Sorge. Wenn es so käme, dass in jedem Betrieb eine Reihe von verschiedenen Tarifverträgen gelten, dann führte das zu großer Unsicherheit und Instabilität», warnte er. Was sich da in Deutschland sehr zögerlich abzeichne, habe in Großbritannien unter Maggie Thatcher dazu geführt, dass die Gewerkschaften «hart an die kurze Leine» genommen wurden.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wartet derweil mit Zahlen auf. Der Streik habe bislang einen Schaden von mehr als 74 Millionen Euro verursacht. Der volkswirtschaftliche Schaden könne im Höchstfall sogar bis zu 113 Millionen Euro betragen, berechnete DIW-Verkehrsexpertin Claudia Kemfert nach Angaben der «Bild am Sonntag». Allein der Schaden des 62-Stunden-Streiks im Güterverkehr betrage zwischen 54 und 80 Millionen Euro, der des jüngsten Arbeitskampfs im Personenverkehr zwischen 5 und 10 Millionen Euro.

Arbeitsplätze bedroht
Angesichts der Zahlen warnte Bahn-Aufsichtsratsmitglied Georg Brunnhuber vor dem Verlust von Arbeitsplätzen: «Die ersten Bahnkunden im Güterverkehr haben in Folge des Streiks bereits Jahresaufträge gekündigt. Die GDL bedroht massiv Arbeitsplätze. Jeder weitere Streik wäre eine Katastrophe», sagte Brunnhuber.

Die Lokführergewerkschaft GDL erwartet bis Montag ein Angebot von der Bahn, wie der stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Claus Weselsky laut der Zeitung bekräftigte. Das Angebot müsse über die mit den anderen beiden Bahn-Gewerkschaften vereinbarten 4,5 Prozent mehr Lohn hinausgehen, ansonsten gebe es keine Verhandlungen, sagte Weselsky laut der Zeitung.

Überdurchschnittliche Einnahmen
Derweil meldet der «Kontakter», dass die Bahn von dem Streik auch profitiere: Über seinen Internetauftritt «Bahn.de» erziele der Konzern momentan überdurchschnittliche Einnahmen aus Online-Werbung. Hintergrund sei das erhöhte Kundeninteresse an den Streikauswirkungen. Zur Höhe der zusätzlichen Einnahmen wurden keine Angaben gemacht.

«Wir als Vermarkter von Bahn.de sind also eher Nutznießer der derzeitigen Lage», so Rasmus Giese, Geschäftsführer des Hamburger Online-Vermarkters Orangemedia. Das Gleiche gilt für die Deutsche Bahn. Die Bahnfahrer nutzen insbesondere die Seiten mit Streikinformationen wie Ersatzfahrpläne und Streikkarte sowie die aktuellen Ankunfts- und Abfahrtspläne. Einige Werbekunden hätten aufgrund der aktuellen Situation ihre Investitionen für laufende Kampagnen sogar ausgeweitet, berichtet der Vermarkter.

Die Website «Bahn.de» verzeichne jeden Monat nach Angaben des Vermarkters rund 60 Millionen Besucher. Diese rufen rund 250 Millionen Seiten auf. Damit gehört die Website der Deutschen Bahn zu den meist besuchten Reise-, Informations- und Mobilitätsportalen Europas sowie zu den reichweitenstärksten Online-Werbeträgern Deutschlands. (nz/ AP)