netzeitung.de«Stoppen Sie diesen Wahnsinn, Herr Schell!»

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Der Bahnstreik verursacht erste Produktionsausfälle (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der Bahnstreik verursacht erste Produktionsausfälle
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Wenn der Streik der Lokführer am Donnerstag auf den Personenverkehr ausgeweitet wird, droht ein Verkehrschaos. Als Folge des Ausstandes meldet Audi erste Produktionsausfälle. Und die Bahn geht neue Wege.

Reisenden und Berufspendlern droht wegen des größten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn das Chaos. Die Lokführergewerkschaft GDL wollte ihren am Mittwoch begonnen Ausstand im Güterverkehr in der Nacht zum Donnerstag auf den Personenverkehr ausweiten, um ihrer Forderung nach einem eigenen Tarifvertrag Nachdruck zu verleihen.

Derweil fordert die Deutsche Bahn in ganzseitigen Anzeigen die Lokführergewerkschaft zum Ende des Streiks auf. «Stoppen Sie diesen Wahnsinn, Herr Schell!», prangt in roten Lettern im Wirtschaftsteil der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Der Vorsitzende der GDL, Manfred Schell, verweigere sich «seit Monaten jeglicher Verhandlung» so die Kritik des Konzerns. «Hören Sie endlich auf, ein ganzes Land zu bestreiken.» Das Angebot der Bahn stehe.

Als Folge des Streiks sagte die Volkswagen-Tochter Audi die Frühschicht in ihrem Brüsseler Werk ab. Ein Unternehmenssprecher sagte, 800 Mitarbeiter der Frühschicht müssten am Donnerstag zuhause bleiben. Der finanzielle Schaden sei derzeit nicht absehbar. Zwei mit Karosserieteilen beladene Züge aus Bratislawa in der Slowakei seien wegen des Bahnstreiks in Ostdeutschland sehr lange aufgehalten worden. «Das bedeutet, dass wir 70 Audi A3 und 150 VW Polo nicht bauen können», sagte der Sprecher.

Bahn-Personenverkehrs-Vorstand Karl-Friedrich Rausch sagte, mit rund 1000 Mitarbeitern im Dauereinsatz bereite sich die Bahn auf den Streik im Personenverkehr vor. Im Fernverkehr sollten etwa zwei Drittel der ICE-Züge und alle Nacht- und Autozüge verkehren. Ein Großteil der IC-Züge dagegen werde nicht fahren. In Ostdeutschland wolle die Bahn mit 30 Bussen ihrer Tochtergesellschaft Bex Linien zwischen Berlin und Stralsund, Frankfurt/Oder, Dresden und Cottbus anbieten.

West-Ost-Gefälle
Im Regionalverkehr gibt es nach Rauschs Angaben wie bereits an den vergangenen Streiktagen ein West-Ost-Gefälle. 50 Prozent der Leistungen sollten durchschnittlich gefahren werden. Wenig Hoffnungen machte Rausch für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. «Dort können wir nur zehn Prozent unserer Leistungen anbieten.» Mit 450 Bussen im Regionalverkehr soll deutschlandweit Ersatz geboten werden. Logistikvorstand Norbert Bensel erneuerte die Bereitschaft zu Verhandlungen, machte aber kein neues Angebot und lehnte auch den geforderten separaten Tarifvertrag ab. «Wichtig ist, dass die Gewerkschaft an den Tisch zurückkommt und wir über die vorgelegten Angebote sprechen. Die Tür ist offen, wir warten.» Im Güterverkehr werde es «schon bald zu erheblichen Einschränkungen» kommen.

Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg sagte, der Streik sei eine Belastung für die Konjunktur. «Er kann weit tiefgreifendere und gefährlichere Auswirkungen haben, als es sich im Moment abzeichnet, wenn er andauert und darüber hinaus mit der Einbeziehung des Personenverkehrs versucht wird, das Land weitgehend lahm zu legen.»

Eigens eingerichtete Taskforce
In den deutschen Seehäfen ist der Streik zunächst ohne Auswirkungen geblieben. «Derzeit ist die Lage entspannt, und wir tun alles, um die Störungen im Gütertransport so gering wie möglich zu halten», sagte der Geschäftsführer der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA), Hans Peter Dücker. Eine eigens eingerichtete «Taskforce» spreche mit den Containerterminals und Eisenbahnunternehmen mögliche Maßnahmen ab. Ziel sei es, zumindest Gassen für die Bahnen im Streckennetz frei zu halten, die nicht vom Streik betroffen sind.

Die Autovermietungen verzeichnen wegen des Streiks eine leicht gestiegene Nachfrage. Beziffern lasse sich das allerdings nicht, sagte ein Sprecher von Sixt im München. Es sei schwer zu prognostizieren, wie sich die Bahn-Kunden verhalten und ob sie tatsächlich auf Mietwagen umsteigen. Die vorangegangenen Streiks hätten sich positiv auf die Nachfrage ausgewirkt. An Knotenpunkten in Ballungsräumen würden vorsichtshalber mehr Autos bereitgestellt. Auch Avis registrierte mehr Kunden. (nz/AP/dpa)