netzeitung.deProSiebenSat1 hat keine Angst vor Online-Blase

 Herausgeber: netzeitung.de

ProSiebenSat1 investiert im Internet-Geschäft - aber die Preise müssen vernünftig sein. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe ProSiebenSat1 investiert im Internet-Geschäft - aber die Preise müssen vernünftig sein.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

ProSiebenSat1 hat für die Internet-Plattform MyVideo viel Geld auf den Tisch gelegt und warnt vor einer Überhitzung. Für weitere Zukäufe will der TV-Konzern nur noch moderate Preise zahlen.

Die TV-Gruppe ProSiebenSat1 plant weitere Zukäufe im Onlinebereich. Spannende Themen seien Nachrichten und Finanzen, der Autobereich und Angebote für Frauen, sagte Vorstandsmitglied Marcus Englert der «Financial Times Deutschland». Fernsehkonzerne stehen vor dem Problem, dass sie der wachsenden Konkurrenz durch das Internet etwas entgegensetzen müssen.

ProSiebenSat1 hatte im Sommer 2006 die Internetvideothek Maxdome gestartet und in diesem September die Videoplattform MyVideo für 19 Millionen Euro vollständig übernommen. Ähnlich wie beim US-Konkurrenten Youtube oder der RTL-Tochter Clipfish können die Nutzer dort Kurzvideos abspielen. MyVideo war der teuerste Zukauf von ProSiebenSat1 im Onlinebereich. «Das Ganze muss refinanzierbar sein», sagte Englert.

Der Manager will für Online-Plattformen und Startup-Unternehmen aber nur moderate Preise zahlen. Englert warnte vor einer Überhitzung des Marktes: «Wir haben wieder eine Blase», sagte der Chef für neue Medien dem Blatt. In den vergangenen Monaten hatten vor allem US-Konzerne viel Geld für Beteiligungen und Übernahmen ausgegeben.

Dabei waren die Summen binnen weniger Monate kräftig gestiegen. Vor gut einem Jahr zahlte der Suchmaschinenbetreiber Google für Youtube noch umgerechnet 1,3 Milliarden Euro. Kürzlich zahlte Microsoft für einen Anteil von 1,6 Prozent an dem Internet-Netzwerk Facebook rund 240 Millionen Euro – damit wäre Facebook insgesamt 15 Milliarden Euro wert.

Preistreibend wirken dabei die Prognosen für das Wachstum des Online-Werbemarktes. Bei den gezahlten Summen fühlt sich mancher an die Entwicklung der «New Economy» rund um das Jahr 2000 erinnert. Damals waren viele kleinere Firmen, gerade aus dem Internetbereich, überbewertet – als das System in sich zusammenbrach, gerieten viele in eine schwere Finanzkrise.

Eine Wiederholung fürchtet Englert aber nicht: «Die Blase wird diesmal nicht platzen, die Luft wird langsam entweichen.» Die Preise seien zwar häufig zu hoch, viele der Konzepte seien aber vielversprechend, sagte Englert. ProSiebenSat1 betreibt nicht nur die Internetseiten der einzelnen Sender, sondern besitzt auch Plattformen wie Lokalisten.de oder Wer-weiß-was.de. (nz)