FDP hält neues Bahn-Konzept für gangbar
09.11.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Das Netz wäre nicht Teil dieser Holding und bliebe damit bei der Ober-Holding, die beim Staat verbleibt. Das Konzept wurde dem Vernehmen nach am Donnerstag bei einem Treffen von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Finanzminister Peer Steinbrück (beide SPD) und Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) mit Bahnchef Hartmut Mehdorn und Bahn-Finanzvorstand Diethelm Sack erörtert.
«Wir können mit jedem Modell leben, das uns der Trennung von Netz und Betrieb näher bringt», so Friedrich. Er sieht darin allerdings eine weitere Niederlage für den Bundesverkehrsminister: «Tiefensee ist von Steinbrück und der Union politisch abserviert worden», lautet Friedrichs Einschätzung. Zunächst war Tiefensee in der eigenen Partei mit dem Ansinnen gescheitert, die Bahn über Stimmrechtsaktien an die Börse zu bringen der SPD-Parteitag votierte hingegen für «Volksaktien» ohne Stimmrecht.
Auch wenn FDP-Verkehrspolitiker Friedrich dem neuen Konzept durchaus Positives abgewinnen kann eine Sache dürfte allen Fraktionen des Bundestages etwas sauer aufstoßen: Sie wären an der Bahn-Privatisierung gar nicht mehr weiter beteiligt. Für die Gründung der Finanzholding und deren anschließenden Teilprivatisierung wäre nämlich kein eigenes Gesetz mehr erforderlich, weil die Infrastruktur eben nicht privatisiert wird.
Bundestag und -rat müssten also nicht beteiligt werden. Das dürfte für Verärgerung sorgten, hatte der Bundestag schließlich schon Ende 2006 bestimmt, dass nicht die Regierung, sondern das Parlament federführend die Bahn privatisieren solle. Das käme immerhin Bahnchef Mehdorn entgegen, denn so wäre die Privatisierung ziemlich zügig umsetzbar. Wie die «Süddeutsche Zeitung» weiter berichtet, hat Mehdorn bei dem Treffen am Donnerstag zur Eile gedrängt. Er habe darum gebeten, möglichst rasch zu entscheiden.
Im Dezember soll die Form der geplanten Teilprivatisierung endgültig festgelegt werden, wie Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag bekannt gab. Dem Koalitionsausschuss von Union und SPD werden demnach an diesem Montagabend verschiedene Modelle unterbreitet, von denen dann wahrscheinlich «ein oder zwei» ernsthaft weiter geprüft würden. Nähere Angaben machte Steg nicht. Angestrebt werde ein Börsengang «so schnell wie möglich, wenn's geht, im nächsten Jahr».
Für das Web ediert von Matthias Breitinger

