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Siemens-Skandal erreicht Milliarden-Dimension

08. Nov 2007 08:46, ergänzt 14:43
Siemens hat inzwischen alle Sparten nach zweifelhaften Zahlungen durchforstet.
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Bisher hatte Siemens in der Korruptionsaffäre dubiose Zahlungen von rund 450 Millionen Euro ausgemacht. Weitere Untersuchungen förderten indes eine erheblich höhere Summe zu Tage.

Der Schmiergeldskandal bei Siemens hat eine neue Dimension erreicht. Bei den internen Untersuchungen seien über alle Bereiche hinweg zweifelhafte Zahlungen in Höhe von gut 1,3 Milliarden Euro entdeckt worden, teilte der Technologiekonzern am Donnerstag in München bei der Vorlage der Jahresbilanz 2006/07 mit.

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Es besteht der Verdacht, dass ein Großteil davon in schwarzen Kassen verschwunden und im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden ist. Bisher hatte Siemens nur eine Summe dubioser Zahlungen für den früheren Kommunikationsbereich Com genannt, in dem die Affäre ihren Anfang genommen hatte. Hier hatte Siemens fragwürdige Zahlungen in Höhe von 449 Millionen Euro identifiziert.

Keine Angaben zu Details

Über diesen Bereich hinaus seien nun weitere 857 Millionen Euro in den Jahren 2000 bis 2006 als zweifelhafte Zahlungen eingestuft worden, hieß es. Daraus ergäben sich zusätzliche Steuerverpflichtungen in Höhe von 339 Millionen Euro - 178 Millionen Euro an Steuern hatte Siemens bereits nachgezahlt. Finanzvorstand Joe Kaeser wollte auf Nachfrage nicht sagen, welche Sparten betroffen seien.

Nun sei die Untersuchung weitgehend abgeschlossen, hieß es weiter. Auch neue straf- oder zivilrechtliche Verfahren schloss der Konzern nicht aus. Es könnten zudem Geldbußen und Ausschlüsse von Aufträgen drohen. Erst im Oktober hatte der Konzern eine Geldbuße in Höhe von 201 Millionen Euro wegen schwarzer Kassen in der Kommunikationssparte akzeptiert und im abgelaufenen vierten Quartal verbucht.

Über 450 Mitarbeiter wegen Verstößen belangt

Neben der Geldbuße muss sich Siemens auf Steuernachzahlungen und möglicherweise auch auf eine harte Bestrafung durch die US- Börsenaufsicht SEC einstellen. Zudem kostet die Affäre immense Summen an Beraterhonoraren. Allein für das Geschäftsjahr 2007 bezifferte das Unternehmen die Kosten für externe Berater für Untersuchungen und Anti-Korruptionsmaßnahmen auf 347 Millionen Euro.

Der neue Siemens-Chef Peter Löscher kündigte an, das Vorgehen gegen unsaubere Methoden noch einmal zu verschärfen. Künftig werde Siemens jedes Jahr bekannt geben, wie viele Mitglieder wegen Verstößen gegen interne Richtlinien abgemahnt oder entlassen würden. Im vergangenen Jahr habe sich Siemens sich von über 150 Mitarbeitern getrennt, über 300 seien abgemahnt oder verwarnt worden. Bei 14 Prozent aller Fälle seien Korruption oder Verstöße gegen das Kartellrecht nachgewiesen worden, bei einem Viertel Untreue oder Betrug. Der Rest habe gegen interne Richtlinien verstoßen.

Um die Aufklärung der Affäre voranzutreiben, hatte Siemens den Mitarbeitern zuletzt ein Amnestie-Angebot gemacht: Wer sich bis Ende Januar freiwillig meldet und Verstöße gegen das Verbot der Korruption im öffentlichen Sektor eingesteht, muss nicht mit einer Entlassung oder Schadenersatzforderungen von Seiten des Konzerns rechnen. (dpa/AP)

 
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