Citigroup-Chef Prince tritt wegen Kreditkrise ab
05.11.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Zum Interims-Unternehmenschef wurde der in Deutschland geborene, derzeitige Vorsitzende des Europa-Geschäfts der Citigroup, Sir Win Bischoff, berufen. Der ehemalige US-Finanzminister Robert Rubin wurde zum neuen Vorsitzenden des Verwaltungsrates ernannt. Der scheidende, 57 Jahre alte Prince hatte auch dieses Amt inne. Eine Findungskommission soll die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger übernehmen. In Frage kämen interne wie externe Kandidaten, sagte Rubin.
Experten hatten zwar weitere Bereinigungen erwartet - aber kaum in diesem Ausmaß. Eine spezielle neue Abteilung soll sich künftig um die problematischen Kreditpapier-Geschäfte kümmern, kündigte Rubin an. Binnen weniger als einer Woche musste damit bereits der zweite Chef einer amerikanischen Großbank wegen der Kreditmarkt-Turbulenzen seinen Hut nehmen. Erst am vergangenen Dienstag war Merrill-Lynch-Chef Stan O'Neal nach den höchsten Abschreibungen in der Geschichte der Investmentbank zurückgetreten.
Zu den heiß gehandelten Kandidaten für den dauerhaften Spitzenjob zählen der derzeit für das laufende Geschäft verantwortliche Top- Manager Robert Druskin (COO) und der für das Investment Banking zuständige Vikram Pandit, der erst vor gut einem halben Jahr von der Investmentbank Morgan Stanley zur Citigroup kam. Als externe Lösung im Gespräch ist der frühere Goldman Sachs-Präsident und heutige Chef des weltgrößten Börsenbetreibers Nyse Euronext, John Thain.
Citigroup hatte wegen der Kreditmarkt-Krise im dritten Quartal einen drastischen Gewinneinbruch um mehr als die Hälfte verbuchen müssen. Wie andere Großbanken weltweit nahm sie milliardenschwere Bereinigungen vor. Die US-Börsenaufsicht SEC prüft bereits bei Citigroup und anderen Banken, ob alle Risiken richtig eingeschätzt und bekanntgegeben wurden. Mit dem Abgang von Prince steht laut Bankexperten auch das Citigroup-Geschäftsmodell eines Allfinanz-Konzerns zur Debatte. Die Wall Street spekuliert bereits über eine mögliche Aufspaltung des Giganten.
Der Aktienkurs der Bank war allein vergangene Woche um rund zehn Prozent und seit Jahresbeginn um fast ein Drittel gefallen - auf zuletzt 37,73 Dollar. Der Druck von Aktionären und Analysten war daher immer größer geworden. (dpa-AFX)

