25.10.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Im Siemens-Konzern rumort es
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Durch die internen Ermittlungen in der Siemens-Schmiergeldaffäre gelangen viele Daten nach außen - zu viele, meint der Betriebsrat. Die Belegschaftsvertretung droht, die Aufklärung notfalls gerichtlich einschränken zu lassen. Thema: Schwarze Kassen bei Siemens Gericht verhängt Millionen-Buße gegen Siemens Siemens-Affäre wird zum Fass ohne Boden Wirtschaft holt bei Korruption auf Streit um Strafen für Siemens-Korruption US-Ermittler wollen Siemens-Akten einsehen
Siemens-Chef Peter Löscher droht laut einem Pressebericht Ärger mit den eigenen Beschäftigten wegen der Aufarbeitung der Korruptionsaffäre. In einem Brief an Spitzenmanager habe der Gesamtbetriebsrat vor Rechtsverstößen bei den Ermittlungen im Unternehmen gewarnt, berichtete die «Süddeutsche Zeitung». Durch den Einsatz externer Anwälte und Berater drohten sensible Mitarbeiterdaten nach Außen zu gelangen, heißt es.
Ein Siemens-Sprecher bestätigte der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX die Existenz des Briefes, in dem der Betriebsrat auf die Einhaltung des Datenschutzes drängt. «Sowohl Vorstand, als auch Betriebsrat ist an der Aufklärung der Korruptionsvorwürfe gelegen», sagte der Sprecher und ergänzte: «Bei den Ermittlungen werden die geltenden Datenschutz-Gesetze eingehalten.» Der Konzern arbeite eng mit den zuständigen Behörden zusammen.
Heftiger WiderstandUm Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC zuvorzukommen, hatte Siemens die US-Kanzlei Debevoise & Plimpton mit internen Untersuchungen betraut. Seit Ende vergangenen Jahres durchforsten die Anwälte den Konzern. Dabei werden sie von Experten der Prüfgesellschaft Deloitte Touche Tohmatsu unterstützt.
Laut «SZ» stößt das «aggressive Vorgehen von Fahndern im Konzern» inzwischen «auf heftigen Widerstand». Ohne konkrete Vorwürfe verleibten die externen Ermittler sich Daten über Entwicklungschancen, Mitarbeiterbeurteilungen und Einkommen ganzer Abteilungen und Gesellschaften ein, heißt es unter Berufung auf den Betriebsrat.
«In Deutschland nicht rechtmäßig»«Der Gesamtbetriebsrat hat konkrete Hinweise, dass die Firma Deloitte Touche Tohmatsu personenbezogene Daten von Siemens-Mitarbeitern anderer Länder übertragen bekommen hat», zitiert die SZ aus dem Brief. «Dies ist in Deutschland nicht rechtmäßig.» Und weiter: «Wir fordern Sie daher auf, keine personenbezogenen Daten an Externe, wie zum Beispiel Deloitte Touche Tohmatsu zu übertragen.» Laut «SZ» will der Betriebsrat das Prozedere notfalls rechtlich unterbinden. (dpa-AFX)